
Internationale Talente gewinnen. Verantwortung übernehmen.
12. August 2026Vor gut einem Jahr haben wir begonnen, im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) interkulturelle Sensibilisierungsseminare für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland durchzuführen. Die Schulungen sind Teil des Projekts PAM – Partnerschaften für entwicklungsorientierte Ausbildungs- und Arbeitsmigration – das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beauftragt und von der GIZ umgesetzt wird.
Vor gut einem Jahr haben wir begonnen, im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) interkulturelle Sensibilisierungsseminare für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland durchzuführen. Die Schulungen sind Teil des Projekts PAM – Partnerschaften für entwicklungsorientierte Ausbildungs- und Arbeitsmigration – das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beauftragt und von der GIZ umgesetzt wird.
Das Projekt verfolgt mehrere wichtige Ziele. Einerseits unterstützt es deutsche Unternehmen dabei, qualifizierte Auszubildende und Fachkräfte aus den Partnerländern Ecuador, Vietnam und Jordanien zu gewinnen und damit dem Fachkräftemangel zu begegnen. Andererseits fördert es reguläre und faire Wege der internationalen Ausbildungs- und Arbeitsmigration und stärkt die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ländern. Für uns als interkulturelle Berater und Beraterinnen steht dabei vor allem ein Aspekt im Mittelpunkt: Menschen dabei zu unterstützen, einander besser zu verstehen.
Während die zukünftigen Mitarbeiter*innen in ihren Herkunftsländern sorgfältig ausgewählt und auf ihren Aufenthalt in Deutschland vorbereitet werden, begleiten wir die aufnehmenden Unternehmen auf ihrem Weg zu einer gelungenen Zusammenarbeit. Denn Integration beginnt nicht erst am ersten Arbeitstag. Sie beginnt mit Offenheit, gegenseitigem Verständnis und der Bereitschaft, die eigene Perspektive zu hinterfragen.
Die Fragen, die wirklich zählen
In unseren Seminaren geht es nur selten um große kulturwissenschaftliche Theorien. Viel häufiger beschäftigen wir uns mit den Fragen, die Personalverantwortliche, Ausbilder*innen oder direkte Vorgesetzte tatsächlich bewegen.
Für unseren EXPERT Arne Augustini sind es solche oder ähnliche Fragen, die immer wieder in den Mittelpunkt seiner Veranstaltungen im Projekt PAM rücken: Wie begrüße ich eine neue Kollegin aus Jordanien? Welche Bedeutung spielt Religion im Arbeitsalltag? Muss ich besondere Essensvorschriften berücksichtigen? Wie formuliere ich Kritik so, dass sie motiviert und gleichzeitig wertschätzend bleibt? Wie gelingt es, neue Kolleg*innen schnell in bestehende Teams einzubinden?
Auf den ersten Blick mögen diese Fragen alltäglich erscheinen. In der Praxis entscheiden sie jedoch häufig darüber, ob sich neue Kolleg*innen willkommen fühlen und ob aus einem guten Start eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entsteht. Nicht selten sind es gerade diese vermeintlich kleinen Momente des Arbeitsalltags, die den Ausschlag für den Erfolg der Maßnahme geben.
Eine Situation aus einer Veranstaltung zeigt das vielleicht anschaulicher. Eine Teilnehmerin ist verantwortlich für die Betreuung der Auszubildenden, und unterstützt bei Bedarf auch bei der Suche nach Wohnungen, meist gemischte WGs. Eine neue Azubi aus Jordanien hat bereits im Vorfeld ihre Bedenken geäußert, in einer Wohngemeinschaft zu leben. Die Teilnehmerin fragt sich, wie sie nun am besten damit umgehen soll. Auf der einen Seite gibt es keine Extrawünsche, auf der anderen Seite will sie sich auch kultursensibel verhalten. Im Gespräch mit mir und den anderen Teilnehmern, die teilweise auch schon eigene Erfahrungen mit Azubis aus anderen Kulturen haben, können wir für die fragende Person einen Fahrplan und eine Art Gesprächsleitfaden entwickeln. Im Gespräch kommen wir auf eine erste alternative Unterbringung in der Wohnung einer Bekannten, die im Moment im Ausland studiert, so dass die neue Azubi erstmal eine für sie passende Wohnung hat. Für das Finden einer dauerhaften Lösung gibt es jetzt etwas mehr Zeit. Die neue Kollegin wird in ihrem Wunsch wertgeschätzt und ihre kulturell geprägten Sorgen werden ernstgenommen. Mit der nötigen Zeit und Eingewöhnung kann nun Vertrauen aufgebaut und gemeinsam eine nachhaltige Lösung gefunden werden.


Bild: © PAM/GIZ
Bild: © PAM/GIZ
Kulturkompetenz schafft Handlungssicherheit
Eine Erkenntnis hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder bestätigt: Fachliche Qualifikation allein reicht nicht aus. Erfolgreiche Zusammenarbeit entsteht dort, wo Menschen bereit sind, die eigene Perspektive zu reflektieren und auch andere Sichtweisen gelten zu lassen.
Jeder von uns betrachtet die Welt durch seine eigene kulturelle Brille. Unsere Werte, Kommunikationsmuster und Erwartungen erscheinen uns selbstverständlich, weil wir mit ihnen aufgewachsen sind. Treffen unterschiedliche Prägungen aufeinander, entstehen leicht Irritationen. Diese sind jedoch kein Zeichen dafür, dass jemand etwas falsch macht. Sie sind ein normaler Bestandteil interkultureller Begegnungen.
Genau hier setzt interkulturelle Sensibilisierung an. Wir vermitteln keine starren Verhaltensregeln und keine einfachen Rezepte. Vielmehr schaffen wir ein Bewusstsein dafür, warum Menschen unterschiedlich kommunizieren, Entscheidungen treffen oder Erwartungen formulieren. Themen wie Kommunikationsverhalten, Beziehungsorientierung, Zeitverständnis, Hierarchien oder Ambiguitätstoleranz diskutieren wir anhand konkreter Situationen aus dem Arbeitsalltag. Unser Ziel ist es, den Teilnehmenden mehr Handlungssicherheit zu geben und sie zu ermutigen, neugierig zu bleiben, nachzufragen und Missverständnisse frühzeitig zu klären.
Ein Austausch, von dem alle profitieren
Ein besonderer Mehrwert der Seminare liegt im Austausch zwischen den Unternehmen. In den Online-Seminaren treffen Betriebe aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands und aus verschiedenen Branchen aufeinander. Manche verfügen bereits über langjährige Erfahrungen mit internationalen Teams, andere stehen zum ersten Mal vor der Aufgabe, Auszubildende oder Fachkräfte aus einem anderen Kulturkreis zu begleiten.
Gerade diese Vielfalt macht die Veranstaltungen besonders wertvoll. Unternehmen lernen nicht nur von unseren Impulsen, sondern auch voneinander. Erfahrungen aus der Praxis, gelungene Beispiele und auch offen angesprochene Unsicherheiten bereichern die Seminarerfahrung.
Was uns während der gesamten Seminarreihe besonders beeindruckt hat, ist die große Offenheit der deutschen Unternehmen. Die wenigsten kommen mit dem Anspruch, bereits alle Antworten zu kennen. Vielmehr möchten sie verstehen, Fragen stellen und ihren neuen Kolleg*innen den Start in Deutschland so gut wie möglich erleichtern. Gleichzeitig wissen sie, dass auch die neuen Mitarbeitenden bereit sind, sich auf ihre neue Arbeits- und Lebenswelt einzulassen. Integration ist deshalb kein einseitiger Anpassungsprozess, sondern gelingt dort, wo beide Seiten voneinander lernen wollen.

Bild: © PAM/GIZ
Unser Fazit nach einem Jahr
Die vergangenen Monate haben uns einmal mehr gezeigt, dass erfolgreiche Ausbildungs- und Arbeitsmigration weit mehr ist als die Vermittlung qualifizierter Fachkräfte und Auszubildender. Entscheidend sind Menschen, die bereit sind, einander zuzuhören, Fragen zu stellen und Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Chance zu begreifen.
Das GIZ-Projekt PAM schafft dafür hervorragende Rahmenbedingungen. Die interkulturellen Seminare sind ein wichtiger Baustein des umfassenden Konzepts der GIZ. Sie schaffen Raum für Reflexion, Austausch und gegenseitiges Verständnis und helfen dabei, Unsicherheiten abzubauen, bevor sie zu Missverständnissen werden.
Wir freuen uns sehr, Teil dieses Projekts zu sein und Unternehmen auf diesem Weg begleiten zu dürfen. Jede gelungene Integration zeigt aufs Neue, dass kulturelle Vielfalt kein Risiko ist, sondern eine Bereicherung. Dort, wo Menschen einander mit Respekt, Neugier und Offenheit begegnen, entsteht die Grundlage für erfolgreiche Zusammenarbeit und langfristige Partnerschaften.

Autor: Arne Augustini
EXPERT bei ti communication u.a. für Jordanien
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