Sayonara* in Brasilien

Sayonara* in Brasilien

*= „Auf Wiedersehen“ auf Japanisch


Brasilien – das Land des Sambas und der Lebensfreude. Das sind gängige Assoziationen zu dem flächenmäßig fünftgrößten Land der Welt. Es gibt dort viel mehr als nur Rio und schöne Strände. Viele außergewöhnliche Fakten sind außerhalb der Landesgrenzen kaum bekannt. Oder hätten Sie Brasilien mit Japan in Verbindung gebracht? Hätten Sie gewusst, dass es das Land mit der größten japanischen Bevölkerung außerhalb Japans ist? Überrascht? Es gibt sogar einen „japanischen“ Stadtteil in São Paulo.


Liberdade: Freiheit. So heißt das „Japan Town“ São Paulos. Dieser Stadtteil, heute eher eine touristische Attraktion, hat über die Jahre einige Einflüsse anderer ostasiatischer Kulturen erlebt. Dort zeigt sich die eher unbekannte japanische Migration und erinnert an die kulturelle Vielfalt, an den kulturellen Schmelztiegel Brasiliens.


Am 18.06.1908, mit dem Eintreffen des ersten japanischen Schiffes Kasato Maru im Hafen von Santos, São Paulo, hat alles begonnen. In ihm waren 781 ArbeiterInnen aus Japan, die aufgrund der Überbevölkerung Japans und den vorherrschenden prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen nach Brasilien auswanderten. Während es nicht nur in Japan sondern auch in Italien und Deutschland für viele aus der ärmeren Handwerker- und Bauernschicht immer schwieriger wurde, im Heimatland eine Existenz aufzubauen, benötigte Brasilien Arbeitskräfte auf den großen Kaffeeplantagen und den neu eroberten und unbewohnten Gebieten außerhalb der beliebten Regionen um São Paulo und Rio. Brasilien schloss damals mit vielen Ländern Einwanderungsverträge und warb aktiv um ausländische Arbeitskräfte. Die Japaner bildeten jedoch keine besonders beliebte Einwanderergruppe in Brasilien und genossen kein hohes Ansehen. Trotz allen Schwierigkeiten verringerte sich die japanische Einwanderung erst mit dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1915 waren knapp 15.000 MigrantInnen aus Japan in Brasilien angekommen. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg diese Zahl stetig bis auf 164.000 JapanerInnen an.

Die hohe Zahl und die fehlende Bereitschaft, sich zu integrieren, führte zu einer Ghettoisierung. Erst in der zweiten und dritten Generation erlernten sie die portugiesische Sprache. Dadurch bewahrten sie bis heute viele Aspekte ihrer Traditionen und integrierten diese in die brasilianische Realität. Eine Art „Zwangsintegration“ begann mit der Diktatur von Getúlio Vargas gegen 1938. Vargas hatte den Plan, die vielen ausländischen Kolonien und Gruppierungen zu „brasilianisieren“. Dies ging einher mit dem Verbot aller nichtportugiesischer Sprachen. Alle nichtportugiesischen Medien wurden ebenfalls verboten. Vor allem für die japanischen, italienischen und deutschen Gruppierungen stellte das eine große Herausforderung dar. Einerseits grenzten sich diese besonders homogen Volksgruppen selbst aus und andererseits wurden sie während des Weltkrieges als Feinde im Heimatland gesehen. Durch die erschwerten Bedingungen auf dem Land – schlechtere Schulen, wenige Arbeitsmöglichkeiten, Auflösung bestimmter japanischer Vereinigungen – zogen viele japanische Familien in die Großstädte um São Paulo. So entstand unter anderem der oben genannte Stadtteil Liberdade, mit seinen roten shintoischen Toren und seinen vielen Sushi-, Sashimi-, Temaki- und Yakisoba-Restaurants.


Heutzutage leben fast 1,5 Mio. Japan-BrasilianerInnen in Brasilien, davon die Mehrheit im Bundesland São Paulo. Die Liberdade verliert heute gegenüber São Mogi das Cruzes, Osvaldo Cruz und Bastos anteilig an japanisch-brasilianischer Bevölkerung, ist aber nach wie vor ein Kulturort der japanischen Tradition im bunten Brasilien.


JapanerInnen, Deutsche, ItalienerInnen und viele mehr –alles „zusammengeschmolzen“ in nur einem Land – das ist Brasilien. Bei so vielen kulturellen Einflüssen lässt es sich nicht bestreiten, um in Brasilien beruflichen Erfolg zu haben, sind interkulturelle Kompetenzen besonders wichtig.


Und wenn wir schon dabei sind: Wenn es Sie beruflich oder privat nach São Paulo verschlägt, gehen Sie in die Liberdade und probieren Sie eines der bekanntesten Getränke Brasiliens, den Caipirinha, mal japanisch angehaucht mit Sake als Sakerinha.

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