Persönliche Resilienz bei ProjektmanagerInnen – Ein Praxisbeispiel

Persönliche Resilienz bei ProjektmanagerInnen – Ein Praxisbeispiel

Während in meinem letzten Blog die Anwendung von Resilienztechniken in der Projekt- und Vorprojektphase behandelt wurde, möchte ich heute vor allem auf die persönliche Resilienz bei ProjektmanagerInnen eingehen.

Wie schon erwähnt: In einer Studie der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. in Kooperation mit dem Centrum für Disease Management (CFDM) aus dem Jahr 2014 wurde festgestellt, dass Burn-out-Symptome bei den befragten ProjektmanagerInnen deutlich häufiger auftreten, als bei MitarbeiterInnen anderer Berufe. 35 % der Befragten haben den Cut-off Score für Burn-out erreicht, 40 % fühlen sich von ihrer Arbeit ausgebrannt, über 50 % sind mindestens einmal im Monat ausgelaugt von ihrer Arbeit.

So ist sie nun mal, die „Rush-Hour-of-Life“?

Vor einiger Zeit wurde ich angefragt, ein Interims-Projektmanagement bei einem mittelständischen Automobilzulieferer zu übernehmen, da dort der Projektleiter wegen eines Burn-outs für unbestimmte Zeit ausgefallen war. Ziel des Projektes war der Aufbau einer Fertigungseinheit an einem Standort im Ausland. Das Projekt war vollkommen auf die Person des ausgefallenen Projektmanagers zugeschnitten und stand relativ kurz vor dem Abschluss.

Wie war es zu dessen Burn-out gekommen? Projektmanager Roland Sch., 45 Jahre alt, war bereits seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen tätig und hatte dort kontinuierlich die Karriereleiter erklommen, zuerst als Planungsingenieur, dann, nach Einführung einer Projektarbeitsweise, als Teilprojektleiter und Projektleiter. Mehrere Karrierestationen führten ihn zu Tochterunternehmen ins Ausland und er wurde insbesondere für seine ausgleichende Verhandlungsweise verschiedener Stakeholderinteressen und seinen verantwortungsvollen Umgang in Changeprozessen geschätzt. Trotz Arbeitszeiten von bis zu 60 Stunden pro Woche, einem engen Terminkalender, umfangreicher Reisetätigkeit und einem hohen Erfolgsdruck war es Roland Sch. immer gelungen als ausgeglichener, kommunikationsstarker Teamplayer zu agieren.

Zwar beklagten sich seine Freunde, dass er sich rar mache, darüber ging Roland Sch. aber meist hinweg mit den Worten: „So ist sie nun mal, die „Rush-Hour-of-Life“. Jetzt muss ich anpacken und in ein paar Jahren, wenn meine Karriere gefestigt ist, hab‘ ich auch wieder mehr Zeit für Euch.“ Auch die Familie musste zurückstecken, obwohl er betonte, dass er ein absoluter Familienmensch sein. „Ich mach das alles schließlich nur für Euch.“

Die ersten Anzeichen

Im vergangenen Jahr begannen sich die Anzeichen zu mehren, dass die jahrelange Arbeitsbelastung ihren Tribut forderte. Es schlichen sich vermehrt Fehler und Unkonzentriertheiten ein, gegenüber KollegInnen reagierte Roland Sch. zunehmend gereizt und dünnhäutig und er musste häufiger krankheitsbedingt aussetzen, obwohl er sonst nur mal wegen einer verschleppten Erkältung krankgeschrieben war. Seine KollegInnen berichteten, dass er irgendwie „hohl“ wirke und der alte Elan bei der Arbeit war verschwunden. Er selbst merkte, dass ihm, einem eingeschworenen Frühaufsteher, das Aufstehen morgens schwerfiel und an den Wochenenden kam es vor, dass er bis mittags schlief. Roland Sch. erklärte sich das selbst mit dem anstrengenden Job und der vielen Reisetätigkeit. Vor kurzem wurde er dann wegen einer kardiologischen Symptomatik und schweren Rückenverspannungen sowie einem Burn-out-Syndrom unbefristet arbeitsunfähig geschrieben. Sein Arzt sagte zu ihm: „Sprach die Seele zum Körper: ‚Wenn er nicht auf mich hört, dann probier’s Du einmal!‘“

Wie kam es dazu? Der deutsch-amerikanische Psychologe Herbert Freudenberger und seine Kollegin Gail North haben 1992 zwölf Phasen im Verlauf des Burn-out-Syndroms identifiziert, das zur Einschätzung der persönlichen Resilienz verwendet werden kann. Dieses Modell beschreibt verschiedene Schritte, die üblicherweise auf dem Weg zu einem vollkommenen Burn-out durchschritten werden, wobei betroffene Personen auch einzelne Phasen überspringen können oder sich in mehreren Phasen gleichzeitig befinden können.

Blog Resilienz 2 05082016 Burn out Spirale

 

Warum Resilienztraining immer wichtiger wird

Dem Unternehmen drohte nun wegen des Stillstandes beim Aufbau der Fertigungseinheit erheblicher wirtschaftlicher Schaden im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Hätte ein Resilienztraining den Burn-out dieses wichtigen Mitarbeiters verhindern können? Dies ist natürlich nur sehr schwer zu beantworten, aber gerade im Projektmanagement, das von wechselnden Prioritäten und Interessen, unvorhersehbaren Änderungen, fehlender disziplinarischer Führungsverantwortung und schwankendem Arbeitsdruck geprägt ist, kann Resilienzstärkung einen ungenutzten Wertschöpfungsfaktor darstellen und Mitarbeiter-Burn-out vorbeugen.

Resiliente ProjektmitarbeiterInnen und -leiterInnen gehen mit Veränderungen souveräner um, lösen Konflikte im Team leichter und richten den Blick nach vorn, um sich auf Neues einzustellen. Resiliente ProjektleiterInnen agieren souveräner und begegnen teambezogenen Schwierigkeiten leichter. Sie treffen schneller Entscheidungen und können sie gegebenenfalls zeitnah korrigieren. Resilienz im Projektmanagement schafft den langen Atem, den man in der Umsetzung eines Projektes oft benötigt. So ergänzen sich dann auch das persönliche Wohlbefinden der Mitarbeiter und deren Gesundheit mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Die Investition in Trainingsmaßnahmen zahlt sich für alle Beteiligten aus.

In einem dritten Teil dieser Blogserie werde ich Ihnen dann Methoden zur Selbsteinschätzung Ihrer persönlichen Resilienzfähigkeit und Inhalte eines Resilienztrainings vorstellen.

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Sonntag, 16. Juni 2019

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