Regionalkulturen USA (1/5): Ein Land, 11 „Nationen“, 50 Staaten

USA-Landkarte

Sind Ihnen El Norte, die Midlands oder Tidewater im Zusammenhang mit den USA noch nie begegnet? Dann heißen wir Sie herzlich willkommen zu dieser Blog-Serie!

In insgesamt 5 Teilen erfahren Sie, dass es (wie in jedem Land) nicht „die Amerikaner“ gibt, und dass den heutigen Bundesstaaten eine Vielfalt verschiedener Regionalkulturen zu Grunde liegt. Erfahren Sie mehr zu den Wurzeln dieses großen Landes sowie zur Wirkung der Gründungsgeschichte auf Gesellschaft und Wirtschaft der USA bis heute. Mythen werden beleuchtet und scheinbar Paradoxes in diesem Land transparenter. Ich freue mich darauf, Perspektiven mit Ihnen zu teilen, die auf mehr als 10 Jahren Lebens- und Arbeitszeit in den USA beruhen.

Was stimmt nicht an der folgenden Gründungsgeschichte, die vielen US-Amerikanern und Ausländern so vertraut ist:
- zunächst erfolgte die Englische Kolonialgründung,
- dann fand die Revolution gegen die englische Krone statt,
- es folgte der erfolgreiche Unabhängigkeitskrieg,
- danach etablierte sich ein demokratischer Rechtsstaat auf der Grundlage einer visionären Verfassung.

Nun, die Antwort ist recht einfach: dies ist nur eine von mehreren unterschiedlichen Gründungsgeschichten der USA, da neben den Briten weitere Kolonialmächte nach Amerika zogen, insbesondere Spanien, Frankreich und die Niederlande.

Und diese regional-kulturellen Unterschiede und Interessenkonflikte prägen seit dem 17. Jahrhundert bis heute die amerikanische Gesellschaft – auch wenn dies selbst vielen US-Amerikanern nicht bewusst ist. Auch für Außenstehende kann ein Einblick in diese Dynamiken oft erklären, wie so manches, was in den USA „nicht ins Bild“ zu passen scheint, doch zum Gewebe der Kultur gehört.

 

Der Anglozentrismus – the 13 colonies

Bild1 Artikel1 So oder so ähnlich zeigt eine typische Landkarte im Geschichtsbuch die Kolonialsituation im 17. Jahrhundert: Britische Kolonien als ein homogener Block entlang der Ostküste – und der Rest des Landes als ... irgendwie nichts oder leer.

Was auf dieser Karte fehlt, sind zentrale kulturelle und politische Dynamiken, die beispielsweise durch Beziehungen zu den indianischen Bevölkerungen und die konfliktbeladenen Unterschiede zwischen den britischen und anderen Kolonialkulturen entstanden. Daraus entwickelten sich verschiedene Regionalkulturen, die noch heute die 50 Bundesstaaten der USA prägen (vgl. Colin Woodard, „The book, "American Nations: A History of the Eleven Rival Regional Cultures in North America,)

 (Quelle: http://www.worldatlas.com/webimage/countrys/namerica/usstates/colonies.htm)

Wenden wir uns also weniger bekannten Karten zu, um unsere Perspektiven zu ergänzen: Beginnen wir mit der Region, die maßgeblich durch die Spanischen Kolonialmächte geprägt wurde: El Norte.

 

El Norte

El Norte jpg

Spanien bereitete Frankreich und England Konkurrenz in Nordamerika: Es war die erste Kolonialmacht und beherrschte als New Spain etwa ein Viertel der heutigen USA (Kalifornien, Nevada, Colorado, Texas, Arizona, New Mexico, Florida). Zur kulturellen Prägung gehören die spanische Sprache, katholische Missionierung der indianischen Bevölkerung (auch mit Gewalt und Versklavung) und hierarchische Klientelsysteme. Dazu kommt die geringe Beachtung des „Nordens“ seitens der auf die Ausbeutung des reicheren mexikanischen Südens hin orientierten Kolonialverwaltung in Mexiko (City). Die Bevölkerung in den nördlichen Territorien lernt, eher ihren eigenen Kräften und Ressourcen zu vertrauen. Auch nachdem die USA diese Bevölkerung mit den mexikanischen Territorien im 19. Jahrhundert annektiert hatten, bleibt diese unabhängigere, auf harte Arbeit hin orientierte nordmexikanische Kultur (daher der Name „El Norte“) auf beiden Seiten der neuen mexikanisch-amerikanischen Grenze erhalten, obwohl sie innerhalb der dominanten Anglokultur zurückgedrängt wird.

(Quelle: http://emerald.tufts.edu/alumni/magazine/fall2013/features/up-in-arms.html)

Politische Folgen bleiben erhalten: Noch bis in die 1970er Jahre konnten beispielsweise in New Mexico als „patron“ gesehene Politiker - in der kulturellen Logik von Klientelsystemen - in ihren Wahlbezirken 100%ige Zustimmung für bestimmte nationale Kandidaten bewirken. Im Präsidialwahlkampf von Bush jr. hingegen stimmte die katholische „Latino“ Bevölkerung in Colorado orientiert an der päpstlichen Empfehlung überwiegend gegen Krieg - und gegen Bush jr.

Es ist leicht zu vergessen, wie tief diese kulturellen Wurzeln sind: In Südcolorado beispielsweise gibt es Dörfer, in denen seit mehr als 300 Jahren Spanisch die Gebrauchssprache ist. Dies sind keine neuen Immigranten, die noch Englisch lernen müssen, sondern tief verwurzelte Familien!

Ein Erstarken des kulturellen Selbstbewusstseins innerhalb der El Norte Kultur heute und der wachsende Anteil an wahlberechtigten immigrierten „Latinos“ sind eine Herausforderung für die anglo-zentrierte politische Landschaft der USA –manifest auch in Form verstärkter regionaler Spannungen innerhalb und zwischen den heutigen Bundesstaaten, die zusätzlich auf nationaler Ebene ausgetragen werden.

Welche Strömungen kommen hinzu aus den Wurzeln von New France, New Amsterdam und den verschieden britischen Kolonialkulturen? Lesen Sie nächste Woche weiter in Teil 2 unserer Serie. 


 Unsere Director Business Development USA und Autorin, Sabine Amend, wird Sie in den nächsten Wochen auf eine Reise durch die Geschichte der USA mitnehmen. 

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Donnerstag, 14. November 2019

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