(Nicht nur) Virtuell quer durch die Welt: Mit dem Country Navigator in Finnland

Finnland---Salamajarvi-National-Park

Den letzten Winter verbrachte ich in Finnland, dem Wohnort des Weihnachtsmanns und seiner Rentiere. Das fünftgrößte Land Europas mit dafür vergleichsweise wenig Einwohnern, circa 5,5 Millionen, zieht international relativ wenig Aufmerksamkeit auf sich – und das scheint den Finnen auch ganz recht zu sein. Der Exot unter den skandinavischen Ländern grenzt sich scheinbar gerne vom Rest seiner Nachbarn und der Welt ab. Das sind Eindrücke, die ich während meines letzten Auslandsemesters in Oulu sammelte. Während meines Praktikums bei ti communication hatte ich nun die Möglichkeit, kulturelle Hintergründe und mehr mit dem E-Learning Tool Country Navigator zu erforschen.

In mein Auslandssemester nach Finnland  startete ich ganz unvoreingenommen. Zwar hatte ich den einen oder anderen Finnen im Studium kennen gelernt und auch die Nachbarländer Finnlands bereits besucht, doch Finnland selbst war für mich Neuland. Skandinavien hatte ich im Urlaub lieben gelernt. Die Partneruniversität in Oulu, Finnland, der nördlichsten Großstadt Europas, erschien mir daher verheißungsvoll. Vor dem Ende meiner Studienzeit brach ich also noch einmal ins Ausland auf, mit dem Vorsatz, mich einfach überraschen zu lassen.

In meinem Bachelor hatte ich bereits ein Jahr in Südamerika verbracht, weswegen ich irrtümlicherweise davon ausging, dass ein Erasmussemester innerhalb Europas weniger Organisationsaufwand und eventuell auch weniger kulturelle Anpassung mit sich bringen würde. Zum ersten Punkt ein ganz klares Nein, Hin- und Rückreise, Wohnungssuche in Finnland und Anrechenbarkeit der ausländischen Leistungen an der Heimatuniversität gestalteten sich genauso umfangreich wie in meinem ersten Auslandsjahr. Zum zweiten Punkt, der kulturellen Anpassung, muss ich aus deutscher Perspektive sagen, dass ich zum Teil Recht behielt. Zwischen Deutschen und Finnen ist die kulturelle Distanz eindeutig geringer als beispielsweise zu den südamerikanischen Ländern. Deswegen fiel es mir persönlich tatsächlich ein wenig leichter, mich in Finnland einzuleben. Je ähnlicher zwei Kulturen sind, desto mehr neigt man jedoch dazu, existierende Unterschiede zu übersehen oder zu unterschätzen. Ob es nun schwieriger ist sich an eine Umgebung anzupassen, von der man von Anfang an erwartet, dass sie sich grundsätzlich von der Heimat unterscheidet und es dann auch tatsächlich so ist, oder sich in einem Land einzuleben, von dem man keine Diskrepanzen und Schwierigkeiten erwartet und dann überrascht wird, bleibt jedem selbst überlassen.

Was sagt der Country Navigator dazu?

Unter dem Punkt „Country Guides“ gilt es, das gewünschte Zielland auf einer Weltkarte auszuwählen. Im „Home“-Menü Finnlands wird man als erstes mit Basisfakten versorgt. In Finnland leben 5,5 Millionen Menschen. In Relation zur Fläche von 338.432 km² ergibt das ungefähr 16 Einwohner pro km² - nicht sehr viel, darauf weist auch der Country Navigator hin. In Deutschland leben durchschnittlich 230 Einwohner pro km². Wenn man längere Zeit in Finnland verbringt, realisiert man diese Zahlen sehr schnell: Erstens zählt Oulu mit circa 180.000 Einwohnern zu den fünftgrößten Städten Finnlands. Zweitens: Platzsparen muss niemand. Finnische Städte sind oftmals weitläufig gebaut, was bedeutet, viel Grün innerhalb der Stadt, wenige Wohnhäuser, die über 2 Stockwerke hinausreichen, selten muss man jemanden auf dem Bürgersteig ausweichen und dazu kommen weite Strecken von A nach B. Drittens: Außerhalb der „Zivilisation“ herrscht tatsächlich Menschenleere. Von Stadt zu Stadt kann man schon einmal 100 km lang nichts außer Wald bewundern – und vielleicht hin und wieder eine Herde Rentiere. Genauso verhält es sich beim Wandern in Nationalparks. Dem E-Learning Tool entnimmt man außerdem, dass Finnland den Deutschen um eine Stunde voraus ist. Eine so geringe Zeitverschiebung, dass man sie doch gerne mal vergisst, wenn man mit den Liebsten zu Hause skypen möchte. Auf der Startseite zu Finnland springen einem außerdem 10 „Finland Essentials“ entgegen.


  1. Finns place a high value on speaking plainly and openly.
  2. Don't be uncomfortable with silence; Finns consider long gaps within a conversation to be a positive thing. Showing you are listening closely is important.
  3. Finns are very modest and downplay their own achievements.
  4. Although Finns are private, almost taciturn people, business conversations are regularly carried out among groups in a casual manner in the sauna.
  5. Finns are honest, dependable and highly ethical in business and prefer a win-win outcome to any situation.
  6. Finns will take what you say literally; so only say 'Yes' if you really mean it.
  7. Finns are creative, insightful, and often highly qualified, so do not underestimate them as negotiators.
  8. Finnish workers are independent and self-motivated and perform best when permitted to work in this manner.
  9. They do not always require face-to-face contact for significant decisions. They are very comfortable relying on emails.
  10. Be punctual. Arrive on time for both business and social events

Eine große Anzahl der Punkte beschäftigt sich mit der finnischen Art und Weise zu kommunizieren. Demnach ist es ihnen wichtig, offen und klar zu kommunizieren. Alles was gesagt wird, ist außerdem auch genauso gemeint (ein „Ja“ bedeutet z.B. tatsächlich „Ja“ und ein „Nein“ tatsächlich „Nein“). Finnen empfinden lange Redepausen, von Angehörigen anderer Kulturen auch Stille genannt, nicht als unangenehm, sondern nehmen sie als Zeichen dafür, dass das Gegenüber genau zuhört. Davon, dass man sie deswegen jedoch beispielsweise in Verhandlungen nicht unterschätzen sollte, habe ich schon an der Universität in Oulu erfahren. Das finnische Studium fördert eine kreative, selbstständige Arbeitsweise. Zudem findet man kaum einen Student, der neben dem Studium keinen Werkstudentenjob nachgeht. Praxiserfahrung, in Kombination mit einem der besten Bildungssysteme der Welt, bringt smarte Geschäftsleute hervor.

Aber nicht nur was das Geschäftsgebaren der Finnen angeht liefert der Country Navigator Auskunft. Ein großer Teil beschäftigt sich natürlich auch mit den Freizeitbeschäftigungen der Finnen. Dabei kommt man um die Sauna auf keinen Fall herum. Wenn man nicht eine private Sauna zur Verfügung hat – und die gibt es meistens, egal ob im Studentenwohnheim, AirBnB, Campingplatz, etc. – stehen auch genügend öffentliche Saunen zur Verfügung. Aus dem Saunieren haben die Finnen eine Wissenschaft für sich gemacht – da kann man einiges dazu lernen. Ich muss zugeben, dass ich persönlich vor meinem Auslandssemester kein großer Fan davon war, aber man kann tatsächlich sagen, dass ich „bekehrt“ wurde. Nach einem langen und teilweise dann doch kalten Tag Wandern, gibt es doch nichts Schöneres als abends zusammen in der Sauna zu sitzen. Außerdem ist dies erstaunlicherweise einer der Orte, an dem sich Finnen öffnen. Da ist man dann doch gerade als Deutsche/r ein bisschen überrumpelt, wenn das distanzierte, ruhige finnische Gegenüber, nackt in der Sauna dann plötzlich gesprächig wird. Die Sauna wird daher in Finnland auch häuft nach einer geschäftlichen Verhandlung genutzt, um sich auf einer persönlichen Ebene kennen zu lernen. Neben dem Saunieren sind die Einwohner Finnlands gerne an der frischen Luft. Im Winter kann man von Schlittschuhlaufen (auch auf dem zugefrorenen angrenzenden Meer in Oulu), über Eishockey bis zum Skilanglaufen einiges unternehmen. Nur der Schneemann möchte einem nicht recht gelingen, je weiter nördlich man wohnt (und Oulu war nördlich genug), da der Schnee aufgrund zu kalter Temperaturen einfach zu pulvrig ist. Und auch im Sommer trifft man die Finnen meistens draußen bei sportlichen Aktivitäten an, eigentlich bei jeder Wetter- und Temperaturlage. Und wenn man schon beim Wandern ist, kommt man um die Vielfalt an Beeren (Heidelbeeren, Preiselbeeren, die typische Moltebeere, etc.) und Pilzen nicht herum.

Und wo wir schon beim Sommer sind gibt es zwei Punkte, bei denen ich dem Country Navigator widersprechen muss. „Kaum Moskitos südlich von Lappland“ kann ich nicht bestätigen. Da Finnland eines der seen- und auch moorreichsten Länder der Erde ist, sollte man vor allem in den wärmeren Monaten nicht ohne genügend Insektenschutz unterwegs sein. Und eine weitere Warnung zu den tierischen Bewohnern Finnlands habe ich auch vermisst: Rentiere und Autofahren. Die Rentiere in Finnland sind halbdomestiziert durch die samischen Ureinwohner, weshalb sie keine große Menschenscheu besitzen und auch von den Landstraßen, die sich, wie bereits erwähnt, hunderte Kilometer weit durch die finnischen Wälder ziehen, nicht fernhalten (vor allem wenn im Winter ab und an Salz gestreut wird, das ihnen von der Straße besonders gut schmeckt). Autounfälle mit Rentierbeteiligung sind daher keine Seltenheit. Da sollte man auf jeden Fall Vorsicht walten lassen!

Wenn man eine so lange Zeit unter einer bisher fremden Kultur lebt gibt es natürlich noch unendlich viel mehr zu erzählen: Die Liebe der Finnen zu Karaoke, der russische Einschlag in der finnischen Kultur und vieles mehr. Mein Fazit zum Auslandssemester ist, dass Finnland - egal ob im Sommer oder Winter - wegen seiner Landschaft aber vor allem wegen seiner Bewohner einen Besuch wert ist. Während ich mich durch den Country Navigator arbeitete, habe ich mich sehr oft an Situationen zurück erinnert und musste lächeln. Vor allem im Geschäftsumfeld, in dem ich nun während des Semesters nicht viel Erfahrung gesammelt hatte, konnte ich durch den Navigator einiges dazulernen.

Der Country Navigator scheint mir ein äußerst hilfreiches Instrument zu sein, um sich auf Auslandsaufenthalte vorzubereiten, sei es eine Urlaubsreise oder ein geschäftlicher Anlass. Das E-Learning-Tool bietet dem Anwender die Möglichkeiten, sich rasch einen Überblick über das jeweilige Zielland zu verschaffen; gleichzeitig ermöglichen zahlreiche Hintergrundinformationen eine intensive Auseinandersetzung und Einarbeitung in die jeweilige Zielkultur. Die Mischung aus Informationsvermittlung und interaktiven Elementen macht das Tool interessant und anwenderfreundlich. Auch in der Nachbereitung eines Face-to-Face-Trainings kann der Country Navigator wertvolle Zusatzinformationen liefern.

Planen Sie womöglich in nächster Zeit selbst eine Reise nach Finnland? Gerne beraten wir Sie zu den Einsatzmöglichkeiten des Country Navigators und weiterführenden Finnland-Trainings durch eine/n unserer Senior ExpertInnen. Was immer Ihr Bedarf ist, wir vermitteln Ihnen das Training, das am besten zu Ihnen passt!

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Donnerstag, 21. November 2019

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