Leben und arbeiten in Japan – Was erwartet Sie?

Japan---Berg-Fuji-Photo-by-Manuel-Cosentino-on-Unsplash

Ein Land mit 126,4 Millionen Einwohnern, 6852 Inseln, quadratischen Wassermelonen und der höchsten Lebenserwartung der Welt: die Rede ist von Japan. Jedes Jahr zieht es mehr als 30 Millionen Touristen in das Land der aufgehenden Sonne. Sehenswürdigkeiten, Naturspektakel und kulinarische Köstlichkeiten machen Japan zu einem beliebten Reiseziel für Deutsche. Doch als Auswanderungsland? Obwohl es wahrscheinlich nicht der erste Gedanke zum Auswanderungsziel ist, wanderten im Jahr 2017 offiziell 707 Deutsche aus – 611 kehrten zurück in ihre Heimat. Warum? Weil eine so unterschiedliche Lebensweise nicht nur reizvoll, sondern auch eine Herausforderung sein kann. Japaner sind anders, Deutsche allerdings auch. Lernen Sie mehr über das Leben und Arbeiten in Japan und die interkulturellen Unterschiede, die Sie am anderen Ende der Welt erwarten.

 

 

 

Japaner sind anders – Deutsche auch

Japan Artikel 1Während die Globalisierung immer weiter voran schreitet, bleiben zahlreiche kulturelle Unterschiede bestehen. Dabei liegen Japan und Deutschland weit auseinander: Offensichtliche Dinge wie Essen, Architektur oder die Kleidung sieht man auf den ersten Blick. Doch wie sieht es mit dem Denken, Handeln und Lebensstil aus?

In dem Buch ‚Eiche und Bambus. Oak tree and Bamboo: Japaner sind anders – Deutsche auch‘, regt die interkulturelle Trainerin Rita Menge anhand von gegenübergestellten Piktogrammen den Betrachter an, die Perspektive zu wechseln. Rita Menge erklärt: „Der wichtigste Aspekt des Buches ist aus meiner Sicht, dass der Betrachter keine fertige Lösung erhält, sondern sich mit dem jeweiligen Thema selbst auseinandersetzt.“ Diese Art von Präsentation basiert auf zahlreiche Untersuchungen die belegen, dass der Mensch Dinge, die er selbst erarbeitet oder erlebt, wesentlich besser aufnimmt als jene, die er nur gehört oder gesehen hat. Rita Menge ist der Meinung, dass es auch Spaß machen sollte, sich sowohl mit der deutschen, als auch mit der japanischen Kultur zu beschäftigen und sie zu vergleichen.

Das Verständnis für die Herausforderungen von Deutschen in Japan entwickelte Rita Menge durch ihren 5-jährigen Arbeitsaufenthalt im Land der aufgehenden Sonne. Diese Auslandserfahrung gab ihr die Möglichkeit, die soziokulturellen Besonderheiten Japans zu entdecken, zu verstehen und sie nun zu teilen. Ihre individuellen Erfahrungen und Erwartungen spiegeln sich nicht nur in dem Buch, sondern auch in ihren interkulturellen Trainings wieder. Aktuell pendelt Rita Menge zwischen Tokio und Ludwigsburg.

Vor allem für Kulturinteressierte ist Japan ein spannendes Auswanderungsziel. Da sich die japanische Kultur sehr von der deutschen unterscheidet, gibt es nicht nur jeden Tag etwas Neues zu lernen, sondern auch jeden Tag neue Herausforderungen und Möglichkeiten. ‚Eiche und Bambus. Oak tree and Bamboo: Japaner sind anders – Deutsche auch‘ hilft Ihnen, sich mit den unterschiedlichsten Themen auseinanderzusetzen. Gefühle, Schlaf und Hierarchie sind nur einige Punkte, auf die Sie treffen werden.

Worauf müssen sich Deutsche beim Leben in Japan einstellen?

Japan Artikel 2 kleinMit der Entscheidung nach Japan auszuwandern, kommen viele Fragen auf. Wie sieht der japanische Alltag aus? Was wird überraschen oder vielleicht sogar schockieren? Was wird begeistern und wie geht man mit all diesen Eindrücken um? Hier sind einige Dinge, auf die Sie sich einstellen können:

1. Omotenashi – Gastfreundschaft auf Japanisch

Omotenashi ist ein Begriff, der weit über unser Verständnis von Gastfreundschaft hinausgeht. Es ist ein vielseitiges Konzept der Gastfreundschaft und des Kundenservices, welches in den unterschiedlichsten Alltagssituationen seinen Platz findet. Interessant hierbei ist, dass die Japaner nicht zwischen den Begriffen Gast und Kunde unterscheiden. Vor allem wenn es darum geht, den Gästen die Kultur näher zu bringen, ist die Mühe sehr groß. Einladungen zum Essen gehen, zu Festen und zu Ausflügen sind daher in Japan keine Seltenheit.

2. Deutsche in Japan – wenn Individualität auf Kollektivismus trifft

In Deutschland wird großer Wert auf Individualität gelegt. Schon von klein auf wird selbständiges Arbeiten gefördert und deutschen Schülern gesagt, dass sie stolz auf ihre persönlichen Leistungen sein sollen. Sobald die Schule abgeschlossen ist, geht es für die meisten mit dem Auszug von zu Hause weiter und der Kontakt zur Familie schwächt langsam ab.

Bei den Japanern steht der Kollektivismus im Mittelpunkt. Anstatt ihre eigenen Leistungen hervorzuheben, wird der Erfolg der gesamten Gruppe zugeschrieben. Dieses kollektive Denken spiegelt sich auch in der großen Rolle der Familie wider: Jedes Familienmitglied steht für die anderen in der Pflicht und übernimmt Verantwortung.

3. Niemals das Gesicht verlieren

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In Japan gibt es ein Sprichwort: „Der Krieger zeigt seine Gefühle nur einmal alle zehn Jahre“. Emotionen zu zeigen gilt in Japan, wie auch in vielen anderen asiatischen Ländern, als unangebracht. Dadurch, dass auch negative Emotionen hinter einer lächelnden Maske versteckt werden, wirken Japaner auf Ausländer sehr freundlich.

Während in Deutschland recht offen mit Gefühlen umgegangen wird, gelten in Japan andere Regeln. Sie sollten beachten, dass nicht nur Sie durch emotionale Ausbrüche wie Wut oder Ärger, Ihr Gesicht verlieren. Japaner, die mit Ihren emotionalen Ausbrüchen nicht umzugehen wissen, verlieren auch ihr Gesicht.

Arbeiten in Japan: Was wird Sie erwarten?

Die Gerüchte des überarbeiteten Japans sind wohl bekannt: Im Land der aufgehende Sonne brennen die Bürolichter nach Sonnenuntergang weitaus länger als in Deutschland. Nicht ohne Grund, denken sich viele, gibt es ein Wort für den Tod durch Überarbeitung: karoshi. Doch wie sieht die Realität aus? Was erwartet Deutsche, die in Japan arbeiten?

1. Japanische Arbeitszeiten

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Entgegen vieler Mythen, ist auch in Japan eine 40-Stunden-Woche gesetzlich festgelegt. Florian Coulmas, Soziologe und Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokyo, sagt: „Dass sich Japaner zu Tode arbeiten, kann man heute nicht mehr sagen". Statistiken der OECD belegen dies: Während die Japaner im Jahr 1980 noch über 2121 Stunden arbeiteten, arbeiteten sie im Jahr 2017 nur noch 1.710 Stunden. Dies sieht Rita Menge jedoch kritisch: „Den letzten, vor Gericht bestätigten Tod durch Überarbeitung gab es 2015 und es kommt extrem auf das Unternehmen an. Kleine und mittelständische Unternehmen beuten ihre Mitarbeiter auch heute oft noch aus. Es gibt sogar eine „schwarze Liste“ solcher Unternehmen.“

Interessant sind die Gründe, weshalb viele Japaner, trotz der vorgeschriebenen 40-Stunden-Woche, den Feierabend hinauszögern:

  • Starker Kollektivismus: Japaner machen Überstunden, wenn sie sehen, dass auch ihre Kollegen noch anwesend sind.
  • Vor dem Chef nach Hause zu gehen, wird als ungebührliches Verhalten angesehen.
  • Durch Überstunden das Gehalt aufbessern.

2. Wie werden Entscheidungen in Japan getroffen?

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 Herausforderungen gehören bei Führungskräften zum Alltag. Was erwartet Sie jedoch in Japan? Trainerin Rita Menge erklärt: „Ausländische Führungskräfte in Japan müssen vor allem damit rechnen, dass alle Prozesse, Meetings, Entscheidungen usw. wesentlich länger dauern als beispielsweise in Deutschland. Man muss sich in Geduld üben und die japanischen Kollegen nach und nach trainieren, um ein effektiveres Arbeiten zu erreichen.“ Im Buch wird zudem betont, dass in Japan grundsätzlich Bottom-Up-Entscheidungen getroffen werden. Das heißt, dass zuerst vielseitige Perspektiven eingeholt werden, bevor der Vorgesetzte eine Entscheidung fällt.

 3. Pünktlichkeit, Hierarchien und das Geheimnis der Non-Verbalen Kommunikation

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  •  Pünktlichkeit

    Die Pünktlichkeit der Deutschen ist weltweit bekannt. Während es in Deutschland jedoch oft akzeptabel ist, die akademische Viertelstunde zu nutzen, gilt dies in Japan nicht. Verspätungen werden als respektlos angesehen – sowohl professionell, also auch privat.
  •  Hierarchien

    Das konfuzianistische Prinzip der Ungleichheit der Menschen bestimmt die starken Hierarchieunterschiede in Japan: Je nachdem, mit welcher Person man zusammentrifft, man steht über oder unter ihr. In Japan arbeitet man noch sehr stark nach dem Prinzip: „Der Kunde ist Gott“. Rita Menge betont, dass die Japaner alles tun, um den Kunden zufrieden zu stellen und nicht davor zurückschrecken, unerfüllbare Versprechen zu geben. Dieses Vorgehen ruft oftmals Unstimmigkeiten bei der internationalen Zusammenarbeit hervor. Auch innerhalb japanischer Unternehmen spielen Hierarchien eine wichtige Rolle: Je höher die Rolle, desto höher das Ansehen.
  • Kommunikation

    In Sachen Kommunikation sind die Deutschen generell sehr direkt. Ein Nein ist ein Nein, es wird mit Kopf schütteln und dem passenden Gesichtsausdruck betont. Bei den Japanern sieht das anders aus. Im Buch ,Oak tree and Bamboo: Japaner sind anders – Deutsche auch‘, wird erklärt, dass auf das ausgesprochene Wort Nein generell verzichtet wird. Stattdessen wird es durch Handzeichen und Mimik zum Ausdruck gebracht.

Fazit zum Thema: Japaner sind anders – Deutsche auch

Japan Artikel 8 Leben und arbeiten in Japan wird Sie nicht nur vor große Herausforderungen stellen, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten mit sich bringen. Durch das Kennenlernen einer neuen Kultur erfahren  Sie viel über das Gastland und über sich selbst.Es ist die Möglichkeit, sich selbst weiter zu entwickeln und Teil einer neuen Kultur zu werden. Abschließen hat Trainerin Rita Menge für Sie noch  einen persönlichen Tipp:

„Mein persönlicher Tipp ist, sich nicht abzuschotten gegenüber der Gastkultur (dies tun sehr viele Expatriates im Ausland, viele Aktivitäten bleiben extrem oberflächlich) und keine Angst zu haben, Fehler zu machen.“

Falls Sie mehr über Japan erfahren wollen oder Ihr Interesse an einem ‚Japan Training‘ geweckt ist, freuen wir uns von Ihnen zu hören!

 

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Mittwoch, 21. August 2019

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