Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund – interkulturelle Herausforderungen in der pädagogischen Arbeit in Kindertagesstätten

Ein Drittel der Kinder in Deutschland im Alter zwischen 0 und 5 Jahren haben einen Migrationshintergrund. Dieser Tatsache geschuldet spielt die Integration von Familien und Kindern eine zunehmend wichtigere Rolle in der pädagogischen Praxis in Kindertagesstätten.

Gerhard Hain, Managing Partner und ausgebildeter Erzieher sowie Diplompädagoge, hat in Zusammenarbeit mit Susanne Abdennouri, Mitarbeiterin bei ti communication, ein Seminar für ErzieherInnen in Deutschland entwickelt. In diesem Seminar stehen neben der Vorstellung unterschiedlicher kultureller Konzepte die Situationen aus der jeweiligen Kindertagesstätte im Mittelpunkt.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Elternarbeit. Die Anforderungen der Eltern mit Migrationshintergrund gegenüber ihren Kindern stehen immer wieder im Widerspruch zu in Deutschland entwickelten Erziehungskonzepten. Andere Lern- und Erziehungsideale, hierarchische Familienbeziehungen, die Vorstellung über schulische Erziehung im Vorschulalter oder unterschiedlich ausdifferenzierte Geschlechterrollen sind nur einige Stichworte, die in diesem Kontext eine Rolle spielen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Kinder haben einen anderen Kulturbegriff als Eltern. MitarbeiterInnen in Kindertagesstätten und Eltern versuchen häufig ihre „erwachsene Kulturbrille“ aufzusetzen und davon ausgehend kulturspezifische Erziehungsziele zu formulieren. Der Leitgedanke, wie sieht es das Kind, zieht sich deswegen durch das ganze Seminar und hilft am Ende auch, manche Problemstellungen als unkomplizierte Sachverhalte zu identifizieren.


Im Seminar gilt es auch, eine Sensibilität für Werte, Normen und den davon abgeleiteten Erziehungsprinzipien zu entwickeln. Nicht selten spielen dabei Hierarchiekonzepte in den jeweiligen Gesellschaften und deren Auswirkungen auf Familienkonzepte eine wesentliche Rolle.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Kindertagesstätten stellt immer wieder die Sprachkompetenz der Kinder, der Eltern aber auch der ErzieherInnen dar. Hier treffen nicht selten Kinder aus einem mehrsprachigen Kontext auf Einrichtungen mit einem einsprachigen Hintergrund. Das Konzept der Mehrsprachigkeit spielt dort selten eine Rolle und die anfänglich mangelnde Sprachkompetenz wird damit auch zum Problem. Im Seminar wird spielerisch und exemplarisch auf diese Situation eingegangen. Auch hier stellt sich ein anfängliches Problem am Ende als lösbare Herausforderung aus der Sicht der Kinder heraus.

Kindertagesstätte „Trauminsel“ in Bad Vilbel

Die pädagogischen Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätte „Trauminsel“ in Bad Vilbel nahmen im November an dieser internen Fortbildung teil und signalisierten unisono den Erfolg dieses Tages. Manche Projekte in der Elternarbeit wurden bereits wenige Tage nach diesem Seminar überdacht. Frau Christa Hillenbrand, Leiterin der Kindertagesstätte, betonte im Feedbackgespräch den Erfolg des Tages: „Es hat sich etwas in unseren Köpfen bewegt. Wir gehen jetzt entspannter damit um, anders zu sein und wissen, dass „anders“ nicht mit „falsch“ zu verwechseln ist.“

Im kurzweiligen mit vielen Fallbeispielen gespickten Tag wurden die Themen Ernährungsgewohnheiten, unterschiedlichen Zeitvorstellungen der Eltern, kulturelle Einflüsse im Umgang mit Lob und Kritik, Gespräche mit Eltern, Sprachenlernen im Kita-Alltag und viele zahlreiche Einzelfragen behandelt. Unterm Strich und so das allgemeine Urteil : Das Seminar wird weiter empfohlen.

ti communication wird nach der Konzeptionierung und der ersten und sehr erfolgreichen Umsetzung dieses Seminars, auch in anderen Kindertagesstätten zur Seite stehen und den ErzieherInnen damit im Alltag Handlungshilfen im Umgang mit Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund an die Hand geben. Unsere Welt wird multikulturell und ti communication will damit dazu beitragen, dass diese Chance genutzt wird.