Interkulturelles Management in Russland

Interkulturelles Management in Russland

Ein Interview mit ti communication-Geschäftsführer Gerhard Hain
(Dieses Interview und weitergehende Informationen finden Sie im Wirtschaftsmagazin Ost-West Contact, Ausgabe 07/2016)

Inwiefern wirken sich Krise und Sanktionen in Russland auf die interkulturellen Anforderungen an Management aus? Braucht es nun besonders viel Feingefühl im Umgang mit russischen Geschäftspartnern?
Feingefühl war wichtig und ist jetzt umso wichtiger, wenn es gilt, politisch aufgeladene Zwischentöne zu erkennen und diesen situationsangemessen zu begegnen – oder sie einfach zu ignorieren. Bei länger bestehenden Kontakten kann ein offenes Gespräch erwünscht sein. Bei neuen Kontakten ist mehr Vorsicht angesagt. Man wird immer wieder mit einem uns nicht so bekannten Nationalstolz konfrontiert. Hier sollte man Zurückhaltung üben. Ansonsten haben sich die interkulturellen Anforderungen wenig verändert. So sind bestehende Netzwerke oder persönliche Empfehlungen nach wie vor ein Türöffner für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Die besonderen Herausforderungen im Umgang mit anderen Hierarchievorstellungen zum Beispiel waren bereits vorher beträchtlich. Die Balance zwischen kooperativer Mitarbeiterführung und starken Hierarchien haben deutsche Führungskräfte immer schon besonders herausgefordert: In Russland sind klare Ansagen erwünscht, das Prinzip des Feed-backs in der russischen Unternehmenskultur ist unbekannt. Das traditionelle russische Unternehmen funktioniert in seiner Entscheidungsfindung wie eine Pyramide: Oben wird entschieden, unten wird ausgeführt. Selbstständige Arbeit ist in Russland entsprechend wenig verbreitet. Dies darf auch nicht kritisiert werden. Offene und persönliche Kritik wird grundsätzlich nicht gerne gesehen.

Wie sieht es im Fall von Umstrukturierungen wie etwa notwendigen Entlassungen lokalen Personals aus?

Veränderungen, gerade bei anstehenden Entlassungen, werden immer mit Ängsten begleitet. Trotz starker Hierarchien und der damit notwendig klaren Entscheidungen können deutsche Unternehmen mit umsichtigen und sozialen Verhaltensweisen punkten. Hier gilt es, den guten Ruf zu wahren und für die Zukunft zu erhalten. Es geht nicht immer nur darum, landesspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen, sondern auch durchaus im Ausland geschätzte deutsche Eigenheiten zu wahren.


Gibt es Kommunikationsprobleme zwischen deutschen Niederlassungen und ihren Mutterhäusern?
Unsere Beratungspraxis lässt diesen Schluss zunächst nicht zu. Verständnisprobleme in Unternehmen entstehen aus den besonderen Anforderungen in Projekten oder bei Umstrukturierungssituationen, einhergehend mit kulturspezifisch anderen Herangehensweisen und Lösungsstrategien. Eine Häufung von Verständnisproblemen ist demnach eher der Häufung von Umstrukturierungssituationen geschuldet. Hier sollte man achtsam sein, dass die Ursachen richtig erkannt und benannt werden. Jede Situation gestaltet sich unterschiedlich und muss individuell behandelt werden. Manchmal spielt der kulturelle Faktor eine nachgeordnete Rolle und darf somit nicht in den Mittelpunkt der Problemanalyse treten.


Was raten Sie Managern mit Blick auf die genannten interkulturellen Unterschiede?
Bleiben Sie klar in den Aussagen und stellen Sie Klarheit in den Hierarchien her. Davon ausgehend kann eine Feedbackkultur nach und nach entwickelt werden. Bei jungen MitarbeiterInnen dürfte dies bedeutend einfacher zu erreichen sein. Da Kulturen nicht miteinander kommunizieren, achten Sie stets darauf, dass kulturelle Eigenheiten nicht auf jeden zutreffen müssen.
Sollten Sie den ersten Schritt ins Russland-Geschäft planen, bringen Sie Zeit und Geduld mit. Geschäfte mit russischen Partnern bedürfen beiderseits einer längeren Vorbereitungs- und Aufbauphase. Nehmen Sie mit Ihren Geschäftspartnern rechtzeitig Kontakt auf. Sammeln Sie Informationen über die Firma und die Kompetenzen Ihres Verhandlungspartners. Sein Status in der Organisation und seine Entscheidungsvollmacht spielen eine wichtige Rolle. Vor der ersten Verhandlung in Russland ist eine interkulturelle Vorbereitung das A und O. Es gibt keine Win-Win-Situation in Verhandlungen, Kompromisse werden als Niederlage empfunden. Darauf muss man vorbereitet sein.

 

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