Gehen Sie da freiwillig hin? – Aus dem Leben einer mitausreisenden Partnerin

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Unsere Senior Trainerin Jutta Depner hat viel Zeit ihres Lebens im Ausland verbracht. Sie war vor ihrer Familienzeit allein einige Jahre in Japan und später begleitete sie ihren Ehemann nach Hong Kong. Hier berichtet sie, wie es sich anfühlt, mitausreisende Partnerin zu sein.

 

Vor gut zehn Jahren fragte mich eine ältere Dame auf Fränkisch: „Gehen Sie da eigentlich freiwillig hin?”

Mit „da“ war Hong Kong gemeint, wohin wir als Familie in den nächsten Monaten umziehen würden. Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet und ich konnte nichts damit anfangen.

Einige Jahre zuvor war ich allein für vier Jahre in Japan gewesen und hatte in der Zeit danach versucht, die Begeisterung auf meinen Mann zu übertragen. Das ging gut und nun hatte es für ihn mit einer Stelle in Asien geklappt. Wunderbar. Während der Vorbereitungen wussten er und ich beide nicht, wer nun eigentlich wen zog, und wir hatten eine begeisterte Zeit der Vorfreude.

 

Entsandt zu werden und „mitreisender“ Partner zu sein sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge

Also, Freiwillig-Gehen, das tat ich ganz eindeutig. Wie gut! Denn auf meine Rolle als „Mitreisende“ war ich überhaupt nicht vorbereitet. Von der Berechtigung der oben genannten Frage, besonders für den „nur mitreisenden“ Partner, hatte ich so gar keine Idee. Und ich lernte erst vor Ort, dass selbst entsandt zu werden und „mitreisender“ Partner zu sein, zwei grundsätzlich verschiedene Dinge sind.

 

Ein Leben voller Überraschungen

Überraschungen lauerten mir in Hong Kong auf, sie warteten geradezu auf mich, und waren gar nicht immer freundlicher Natur.
Dass ich als Mutter von zwei kleinen Kindern an Kindergarten und Schule keine anderen Mütter traf, mit denen ich mich in kürzester Zeit hätte befreunden können, sondern sogenannte Helper, die mich tendenziell als eine andere “Madam” fürchteten  – Überraschung.
Ich wusste von vornherein, dass ich eine recht lange Anfahrt in Hongkongs Geschäftszentrum haben würde, aber dass es damals (2010) nur Vollzeitjobs gab und die Arbeitszeiten alles andere als familienfreundlich waren – Überraschung.
Mein Mann fühlte sich sofort zuhause und ich hatte erstmal alle meine Kontakte verloren und nur wenig Zeit, denn es gab zwar vormittags eine Kinderbetreuung, aber es blieben mir nur zwei bis drei Stunden ohne Kinder. Ich war immer unter Druck – auch das eine Überraschung.

 

Partner machen sehr unterschiedliche Erfahrungen

Hinterher habe ich mich gefragt, ob und wie ich mich besser hätte vorbereiten können. Wenn ich gewusst hätte, dass Partner meistens sehr unterschiedliche Erfahrungen machen, was eigentlich alles betrifft: das, was man zurück lässt und das, was man neu aufbaut, dass die Aufgaben für den begleitenden Partner erst einmal darin liegen, das soziale Netz neu aufzubauen und sich beruflich ganz neu zu erfinden - dann wäre ich mit einigen meiner Überraschungen leichter umgegangen.

 

Sich die neue Heimat in kleinen Schritten aneignen

Gut getan hätte mir besonders am Anfang ein Coaching, um Dampf abzulassen, ohne gleich die Freunde daheim in Deutschland in Panik zu versetzen. Es wäre toll gewesen zu hören, dass es mir genauso geht wie allen anderen auch, und ermuntert zu werden, nicht stehen zu bleiben, sondern in kleinen Schritten dieses Hongkong zu meinem Ort zu machen. Immer wieder Energie zu bekommen, Leute zu treffen, um sie zu beschnuppern, und dann auszusortieren, mit wem ich Zeit verbringen möchte. Das alles sind Hilfen, die ich jetzt kenne und mit meinen KundInnen bearbeite.

 

Ein richtig dicker Schmatzer: ich habe mich als interkulturelle Trainerin selbstständig gemacht

Einige Frösche habe ich geküsst, verschiedene Jobs angefangen, um sie bald wieder zu verlassen. Meine Schmerzgrenze im öffentlichen Nahverkehr konnte ich austesten, mich mit neuen Freundinnen treffen, und dann leichten Herzens weiter probieren.

Erst im Laufe der Zeit merkte ich, dass ich einige richtig dicke Schmatzer gelandet hatte und mir zeigten sich die Prinzen unter diesen ganzen Fröschen:

Ich habe mich als interkulturelle Trainerin selbständig gemacht, davon hatte ich in Deutschland schon geträumt. Ich habe nicht nur Deutsche auf Japan vorbereitet, wie ich es ursprünglich gedacht hatte, sondern über die Jahre ein viel breiteres Spektrum an Themen besetzt. Zusätzlich habe ich gelernt, Sprache zu unterrichten, und mich als Coach zertifiziert. Damit hätte ich nie gerechnet – tolle Überraschungen.

 

Zurück nach Deutschland – nicht ohne Tränen

Und jetzt? Im letzten Frühjahr, als wir unseren Umzug nach Deutschland vorbereitet haben, wurde ich wieder gefragt, ob ich freiwillig zurück gehen würde. Diesmal habe ich die Frage verstanden und konnte sie wieder bejahen. Wir waren als Familie alle froh über unsere lange Zeit in Hongkong. Der Abschied war nicht ohne Tränen - aber dafür geht man ja wohl ins Ausland, freiwillig und auch als „mitreisender“ Partner!

 

 

Jutta Depner ist interkulturelle Trainerin und Coach und sagt, sie wäre selbst ihre beste Kundin, wenn sie nur könnte. Sie fühlt sich in Tokyo, Hongkong und bald wieder in Nürnberg zuhause und mag es, sich selbst dabei zu beobachten, wie sie Erfahrungen im Ausland, und als Erlebens-Ausländerin” in Deutschland macht. 

 

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Montag, 30. März 2020

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