Freude am Miteinander - eMag Interview (2)

Freude am Miteinander - eMag Interview (2)

ti communication ist für Infineon Technologies AG seit Jahren Partner für interkulturelle Trainings und Coachings. Um seine MitarbeiterInnen auf Trainingsangebote aufmerksam zu machen und zu zeigen, warum sich interkulturelle Trainings lohnen, veröffentlicht Infineon im firmeneigenen Mitarbeitermagazin eine Serie von Interviews mit unseren TrainerInnen. In der Serie „Kulturen, Kommunikation und Klischees“ geht es um Herausforderungen, Länderklischees und Fettnäpfchen interkultureller Kommunikation. Dieses Mal lesen Sie ein Interview mit Trainerin Gyöngyi Varga. Darin erzählt sie, welche Rolle interkulturelle Kompetenz und die Freude am Miteinander für interkulturelle Kommunikation und den Unternehmenserfolg spielen. Ihre Spezialgebiete: Ungarn und internationale Teamentwicklung.

 

eMag: Frau Varga, was ist das Ziel Ihrer Trainings?

Gyöngyi Varga: Ich möchte die Teilnehmer meiner Trainings für andere Kulturen sensibilisieren, damit sie ihren Arbeitsalltag erfolgreich meistern können und so zum Unternehmenserfolg beitragen.

eMag: Welche Rolle spielt Interkulturelle Kompetenz für den Unternehmenserfolg?

Gyöngyi Varga: Unternehmen sind erfolgreich, wenn Mitarbeiter mit Begeisterung und Mut Bestehendes hinterfragen und neue Wege erschließen. Internationale Unternehmen können dabei von der Vielfalt ihrer Mitarbeiter profitieren: Wenn diese (richtig) miteinander kommunizieren. Und hier kommt interkulturelle Kompetenz, kommen interkulturelle Trainings ins Spiel. Sie befähigen zu konstruktiver interkultureller Kommunikation und tragen so zum Unternehmenserfolg bei.

eMag: Was halten Sie von Länderklischees, was haben sie mit Ihren Trainings zu tun?

Gyöngyi Varga: Länderklischees – sie begegnen uns überall: in Gesprächen mit der Familie, Freunden, Kollegen, in der Werbung, in Kinofilmen oder in den Nachrichten. Sie sind dann gefährlich, wenn wir sie nicht als solche erkennen und hinterfragen. Wir schreiben dann Personen und ganzen Kulturen voreilig gewisse Attribute zu. Wenn wir Klischees aber als solche erkennen und sie hinterfragen, können sie auch etwas Positives sein: Sie geben uns Anlass, uns mit fremden Kulturen und deren Eigenheiten zu befassen. Das will ich auch in meinen Trainings: Dort setzen wir uns konstruktiv mit Klischees auseinander. In meinen Basisworkshops gibt es eine Übung, bei der die Teilnehmer wild Klischees und Stereotype aufschreiben. Diese Klischees diskutieren wir dann: Woher kommen diese Klischees? Wie wirken sie auf Menschen der betroffenen Kultur? 

eMag: Gibt es ein Klischee über Ungarn, das Sie stört?

Gyöngyi Varga: Ich finde es unpassend, Ungarn als fremdenfeindlich oder rechtsorientiert zu bezeichnen. Das passiert in der aktuellen politischen Diskussion über Flüchtlinge. Da tut man dem Land und den Menschen Unrecht. Ja, viele Menschen in Ungarn haben einen gewissen Nationalstolz – und ja, es gibt es Menschen mit Nationalstolz, der zu Rechtsextremismus umzuschlagen droht. Aber alle Ungarn über einen Kamm zu scheren, finde ich unangebracht. Das ist eines dieser Klischees, die man hinterfragen sollte.

eMag: Vor welchen Fettnäpfchen warnen Sie?

Gyöngyi Varga: Ich warne vor der falschen Annahme, Ungarn sei ein Balkanland oder ein Teil Osteuropas. Ungarn verstehen sich als Mitteleuropäer.

eMag: Welcher ist einer der größten Aha-Effekte, den Sie bei TeilnehmerInnen Ihrer Seminare erleben?

Gyöngyi Varga: Die meisten TeilnehmerInnen wissen vorher wenig über die Geschichte Ungarns. Ich sehe gerne in die erstaunten Gesichter und erzähle über mein Heimatland. Es ist schön zu sehen, wie die TeilnehmerInnen beginnen, Zusammenhänge zu verstehen. Sie können dann auch nachvollziehen, woher beispielsweise der Nationalstolz der Ungarn kommt.

eMag: Einige Kollegen haben den ersten Artikel dieser Serie diskutiert und betont, interkulturelle Kommunikation sei nichts anderes als interpersonelle Kommunikation. Was meinen Sie?

Gyöngyi Varga: Einerseits kann ich da nur zustimmen: Interkulturelle Kommunikation ist natürlich auch interpersonelle Kommunikation. Es gilt, seinem Gegenüber Interesse zu signalisieren, einander zuzuhören und aufeinander einzugehen. Das gilt vor allem für interkulturelle Kommunikation, um über Grenzen und Kulturen hinweg tragfähige Brücken zu bauen. Für mich ist interkulturelle Kommunikation aber interpersonelle Kommunikation unter erschwerten Bedingungen. Auf diese bereiten interkulturelle Trainings vor. Und egal bei welcher Art der Kommunikation – damit sie erfolgreich ist, kommt es vor allem auf eines an: Freude am Miteinander.


eMag: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Varga.


Über Gyöngyi Varga
Gyöngyi Varga kommt aus Szekszárd in Ungarn. Heute lebt sie in Deutschland. Seit 2004 ist sie interkulturelle Beraterin, Potenzial- und Teamentwicklerin. Sie coacht Fach- und Führungskräfte, Teams und Unternehmen im interkulturellen und internationalen Kontext. Für Infineon führt Gyöngyi Varga im Auftrag von ti communication interkulturelle Trainings zu Ungarn durch.
Gyöngyi Varga studierte Deutsch als Fremdsprache an der Universität Pécs in Ungarn sowie Germanistik und Kulturwissenschaften an der Universität Tübingen in Deutschland. Berufliche Erfahrung sammelte sie in Kommunikationsagenturen, bei einem Verlag und beim Radio. Über sieben Jahre lang war sie Unternehmensberaterin und Online Marketing Managerin. In dieser Zeit lernte sie verschiedene Unternehmensstrukturen und wesentliche Merkmale der ungarischen und deutschen Arbeitswelt kennen.


Die Autorin Marlene Pratschke schreibt für das Mitarbeitermagazin von Infineon Technologies AG.

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