„Das Einzige, was in den USA im Moment sicher ist, ist, dass nichts sicher ist“

USA_Freiheitsstatue

Zwei Aussagen fallen immer wieder, wenn Deutsche AmerikanerInnen beschreiben: „Es gibt nichts, was es nicht gibt“ und „Das Einzige, was in den USA im Moment sicher ist, ist, dass nichts sicher ist.“ Dies lässt sich schnell und einfach dahinsagen, insbesondere aus einer Perspektive von außen. Aber beide Aussagen beinhalten doch sehr viel, was die AmerikanerInnen ausmacht, ohne jedoch anzuerkennen, warum sie so sind, wie sie sind.

 

„Es gibt nichts, was es nicht gibt!“

Fangen wir mit dem ersten Spruch an: „Es gibt nichts was es nicht gibt.“ Viele beziehen dies auf die Besonderheiten, manchmal auch Kuriositäten der AmerikanerInnen. „Alles übertrieben!“, „Alles viel zu groß!“ Ja, man weiß, dass die AmerikanerInnen anders sind. Nur wird dann oft nicht geschaut, warum das so ist. Vieles ist Kultursache. Es gibt nichts, was es nicht gibt, weil man es kann! „Freedom“ hat viele Vorteile. Ich darf etwas ausprobieren. Ich darf scheitern. Ich darf aufstehen und nochmal von vorne anfangen. Dazu kommt, dass Individualität nicht nur erwartet wird, sondern förmlich in der Kultur zelebriert wird. Du darfst anders sein. Du darfst dich für dein Anderssein selbst feiern! Und wenn du dabei noch gut Geld verdienst, dann wirst du ein Held!
 
 

„Das Einzige, was in den USA im Moment sicher ist, ist, dass nichts sicher ist“

Der zweite Satz taucht noch tiefer in die Kultur ein: „Das Einzige, was in den USA im Moment sicher ist, ist, dass nichts sicher ist“. Dafür muss man sich erst mal mit dem Thema beschäftigen, was Sicherheit in diesem Zusammenhang genau bedeutet. Was will man überhaupt: Kontinuität oder Innovation? Will man ganz vorne bleiben oder den Status Quo erhalten. Momentan bezieht sich diese Aussage auf die aktuelle Politik. Aber reden wir hier über die Außenpolitik, die Innenpolitik oder doch nur Trump? Das definiert die Aussage meist nicht. Die AmerikanerInnen aber sehen dort drei klar abgegrenzte Bereiche. Mal ganz ehrlich: AmerikanerInnen interessiert die Außenpolitik doch sowieso nicht, oder? Aber dies entspricht nicht der Wahrheit. Jeder Deutsche, der mal in den USA war, wird Ihnen ein Beispiel geben können von einer oder einem naiven, gar „dummen“ Amerikanerin oder Amerikaner, der nichts über Deutschland wusste. Und ganz ehrlich: wir AmerikanerInnen kennen auch genug dieser Leute. Aber ist das eine Tatsache, die für die gesamte Bevölkerung gilt? Alles Leute, die nichts von der Welt wissen? Von San Francisco nach New York, bis zur Hauptstadt von North Dakota. Und übrigens: wie heißt eigentlich die Hauptstadt von North Dakota?

 

USA Hochhäuser klein

Glauben die AmerikanerInnen noch an das System der Demokratie?

Wenn wir die amerikanische Innenpolitik betrachten, dann stimmt es, dass die Zeiten gerade sehr unruhig sind. Aber was bedeutet das? Dass nun alles zerstört ist und wir nie wieder einen Weg zurückfinden werden oder glauben die AmerikanerInnen nicht doch noch an das System der Demokratie? Wenn Sie denken, dass alles zerstört wäre, dann haben Sie den Glauben der AmerikanerInnen an ihr Land und seine Demokratie vollkommen unterschätzt. Dafür sind sie einfach viel zu patriotisch, um so schnell aufzugeben.

 

„This too will end!“

Was Trump betrifft, können wir tatsächlich davon reden, dass alles, was noch kommt, vollkommen unvorhersehbare Ebenen erreichen wird. Da ist tatsächlich nichts sicher. Aber auch hier kommt ein wichtiger Glaube der AmerikanerInnen zum Vorschein: „This too will end!“ Auch dieses Kapitel wird einmal die Schlagzeilen verlassen und ein größerer oder kleinerer Absatz der Geschichtsbücher werden. Und dann geht es weiter. Und dass es weitergehen wird, da sind sich alle AmerikanerInnen absolut sicher.

P.S.: Die Hauptstadt von North Dakota heißt übrigens Bismarck.

 

ein Beitrag von Dr. Michelle Cummings-Koether

 

Michelle 2019 tic logo final 110x142Dr. Michelle J. Cummings-Koether ist in den USA geboren und sowohl dort als auch in Deutschland aufgewachsen. Zusätzlich lebte sie längere Zeit in Kanada und Großbritannien. Seit 2007 ist sie als Senior Trainerin und Beraterin im interkulturellen Bereich tätig. Des Weiteren hat sie erfolgreich eine Weiterbildung zum zertifizierten Business Coach absolviert. Seit 2018 ist sie Professorin für Intercultural Management an der technischen Hochschule Deggendorf – European Campus.

 

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