Auslandsentsendungen und die Wahl zwischen „Schwimmen“ oder „Untergehen“

Auslandsentsendungen und die Wahl zwischen „Schwimmen“ oder „Untergehen“

Peter Berger, Managing partner ti communication Dr. Fischhof GmbH, über die Herausforderung: „Auswandern ohne Vorbereitung“.

Manchmal werde ich ja schon neidisch, wenn ich so sehe, wie ti communication im Auftrag ihrer Kunden deren MitarbeiterInnen auf Entsendungen in nahe oder ferne Länder vorbereitet. Wie wertvoll wäre eine solche Vorbereitung für mich und vor allem für meine Familie gewesen, als ich 1978 praktisch von einem Tag auf den anderen von meiner Firma, der Sandoz AG in Basel (heute in der Novartis aufgegangen), zuerst nach Guatemala als Leiter des Bereichs Zentralamerika und Karibik und dann nach drei Jahren nach Buenos Aires als Präsident von Sandoz Argentinien entsandt wurde. Meine Frau ist Französin, ich bin Österreicher, und wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt nach 17 Jahren gerade in die Schweiz eingewöhnt, d.h. Schwyzerdütsch gelernt, Ordnung und Korrektheit verinnerlicht, aber auch die manchmal etwas überhebliche Einstellung vieler SchweizerInnen gegenüber dem Rest der Welt akzeptiert.

Und dann kam das Kontrastprogramm Lateinamerika. Unsere einzige Vorbereitung darauf war ein sechswöchiger Spanisch-Kurs, und dann ins kalte Wasser, schwimm‘ oder geh‘ unter. Ich selbst hatte dabei zwar immer die loyale Unterstützung der lokalen MitarbeiterInnen, aber den richtigen Umgang mit ÄrztInnen und Gesundheitsbehörden in Panama, Jamaika oder Trinidad musste ich erst mit vielen Fehlern selbst erlernen. Alle Zeitangaben waren immer sehr relativ und Versprechungen meistens nur Absichtserklärungen, jegliche Enttäuschung musste ich mir sehr rasch abgewöhnen, von Kritik ganz zu schweigen. Und immer wieder habe ich mich gefragt „Warum hat mir das niemand vorher gesagt?“ Aber wenn man nur die Wahl zwischen „Schwimmen“ (Erfolg haben) oder „Untergehen“ (Misserfolg) hat, lernt man auch schwimmen, nur mit einem Schwimmlehrer wär’s halt leichter gegangen.

 

Viel schwerer hatten es aber noch meine Frau und unser im Zeitpunkt der Übersiedlung neunjähriger Sohn. Die gesellschaftlichen Rituale, der Umgang mit Hauspersonal und Chauffeur (hatten wir vorher nie), der zweifache Schulwechsel, erst in Guatemala, dann in Buenos Aires – alles war neu und fremd. In Buenos Aires war unser Sohn anfangs überhaupt nur mehr bereit, in die Schule zu gehen, wenn meine Frau während der ganzen Unterrichtszeit im Lehrerzimmer auf ihn wartete.

Besonders mühsam waren dann die Monate des Falklandkrieges. Wirklich ohne Ausnahme war die gesamte „Elite“ des Landes, politisch rechts oder links, mehrsprachig, kultiviert, vertraut mit Europa und den USA, von einem Tag auf den anderen in nationalistischen Größenwahn verfallen. Keine noch so vorsichtige Warnung, England nicht zu unterschätzen, wurde akzeptiert. Jedes nichtberufliche Gespräch, jedes gesellschaftliche Ereignis wurde für uns zum Eiertanz. Als dann der Krieg verloren und die Militärregierung verjagt worden war, verfiel das ganze Land in eine Depression – auch nicht ganz einfach.

Schließlich kam die Übersiedlung nach Österreich, für mich nach 25 Jahren Rückkehr in meine inzwischen doch, vor allem wirtschaftlich, stark veränderte Heimat, für meine Frau und unseren Sohn aber wieder in ein neues Land – denn dass Österreich ein sehr gewöhnungsbedürftiges Land ist, wissen alle hier lebenden AusländerInnen, auch oder vielleicht sogar gerade Deutsche. Vor allem dank meiner Frau haben wir es letzten Endes doch gut überstanden, aber aus persönlicher Erfahrung kann ich es allen international tätigen Unternehmen nur dringend empfehlen, ihre ManagerInnen und TechnikerInnen auf eine Entsendung in andere Länder professionell vorzubereiten.

Gerne sind wir Ihnen bei den Vorbereitungen zu Auslandsentsendungen Ihrer Experts behilflich. Kontaktieren Sie uns unter contact@ticommunication.eu und erfahren Sie mehr über die individuellen Beratungsangebote von ti communication!

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