Regionalkulturen USA (5/5): Far West und das Amerika von heute und morgen

USA-Landkarte

Die Bundesstaaten im Far West teilen eine paradoxe Haltung: Sie sind abhängig vom Zugang zu den Ressourcen, die sie durch ihre Lobbyarbeit in Washington erwirken; gleichzeitig kultivieren sie eine Identität von starkem Individualismus und eine Rhetorik der Unabhängigkeit von der großen, nationalen Politik.

Bild5Gemeinsam ist der Region die Härte der Landschaft: Trockenheit, Hochlagen, karge Böden, riesige Flächen, kombiniert mit extremer Kälte und Hitze eignen sich nicht für die Siedelungstechniken, die an den Küsten oder im mittleren Westen erfolgreich waren. Ökologie ist hier der stärkste Faktor, selten die Kultur einer Siedlergruppe. Die Besiedelung derart schwieriger Regionen erfolgte daher meist durch große Institutionen mit starken Ressourcen: Konzerne aus New York, Chicago, San Francisco oder die Bundesregierung der USA. Eisenbahnbau, Bergbau und später Infrastruktur von Wasserdämmen sowie Öl-und Chemie-Industrien erzeugten hohe Machtkonzentrationen in den Händen von „Außenseitern“, die tief mit politischer Macht auf Staaten- und Regionalebene verwoben waren (und oft noch sind).

(Quelle: http://emerald.tufts.edu/alumni/magazine/fall2013/features/up-in-arms.html

Der Cowboy-Mythos des „Wilden Westen“ oder des einsamen Goldgräbers sind nur ein kleiner Teil der Entwicklung! Die meisten Far West Staaten ringen immer noch mit diesem Erbe – und sind unterschiedlich erfolgreich im Aufbau diversifizierter, regionaler Wirtschaftsstrukturen. Colorado etwa wächst in der Region um Denver sehr stark dank einer Kombination von forschenden Universitäten, Zuflüssen von Wagniskapital, schöner Landschaft und schnellem Bevölkerungszuwachs. Gleichzeitig gibt es nach wie vor gravierende Armut in den ländlichen Regionen. Arizona ist erfolgreich darin, IT Unternehmen anzusiedeln. Phoenix wächst seit mehreren Jahrzehnten demografisch und wirtschaftlich sehr schnell.

Ein besonders eindrucksvolles Spiegelbild der unterschiedlichen Regionalkulturen liefert der Ausgang der letzten Präsidentschaftswahl:

Das gegenwärtige Bild der USA wird stark geprägt durch die Überraschungen von Präsident Trump und seiner Administration. Für viele US-Amerikaner und Ausländer ist die Wahl des gegenwärtigen Präsidenten schwer nachvollziehbar.

Oft hat die Allianz Yankeedom/Left Coast (mit Unterstützung von Midlands) die nationale Politik der USA dominiert. Und somit einen Eindruck der USA erzeugt, der homogener erschien als die gesellschaftliche Realität tatsächlich ist.

Die jetzige Situation kann als eine Rebellion von Deep South und Appalachia verstanden werden, gemeinsam mit Regionen, die überwiegend ländlich sind. In diesen ländlichen Regionen ist die Armut der weißen Bevölkerung hoch; dies ist verstärkt durch den Verlust von Fabrikarbeit und/oder gut bezahlte Arbeit in der Ausbeutung von Naturresourcen (Holz, Bergbau, Kohle) und Mangel an Alternativen, oft aufgrund von geringem Bildungsniveau.

Typischerweise haben „Gewinner“ der aktuellen Situation (gut gebildet, kosmopolitisch, in Städten) eher für Clinton gestimmt. Diejenigen, die entweder generell Wut auf die dysfunktionale Politik in Washington hatten – und es gibt viele gute Gründe für Frustration und ein Bedürfnis nach Veränderung – und diejenigen, die sich als Verlierer sehen, haben eher für Trump gestimmt.

Wie Sie sehen, sind auch die heutigen Konflikte um die zum Teil sehr weit auseinanderliegenden Ideale von Gesellschaft, Wirtschaft, Gerechtigkeit, Vielfalt und der Rolle von Religion weiter durch die Regionalkulturen geprägt.

Die Schwierigkeiten, diese Dynamiken in Zukunft zu bewältigen,
- werden durch weitreichenden institutionellen Reformbedarf einer „alten“ Demokratie ebenso verstärkt
- wie durch die kollektiven Ängste, nicht mehr die führende Weltmacht zu sein sowie die
- Herausforderung, Gewohnheiten des eigenen „American Exceptionalism“ in einer globalen Welt neu zu begreifen,
ohne ganze Teile der eigenen Gesellschaft entfremdet zurückzulassen.



Ich hoffe, Ihnen hat diese (Zeit-)Reise durch die Gründungsjahrhunderte der USA gefallen.
Haben auch Sie Erfahrungen mit den unterschiedlichen Kulturregionen in den heutigen USA gemacht?
Ich freue mich auf Ihr Feedback – wenden Sie sich mit Ihren Fragen und Kommentaren gerne direkt an mich: sabine.amend@ticommunication.com

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Regionalkulturen USA (4/5): Zentrale Konflikte und...
 

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Sonntag, 21. Oktober 2018

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