Geschäfte machen im Rosenkrieg

Geschäfte machen im Rosenkrieg

Keiner kann sagen, dass die letzten Wochen unter der neuen amerikanischen Regierung irgendetwas anderes als ein „roller coaster of emotions“ waren. Und das trifft zu, egal auf welcher Seite man steht. Es war wirklich alles dabei, was man auf einer menschlich-psychologischen Skala empfinden kann. Auf der liberalen, oder demokratischen, Seite fing es mit ein wenig Hoffnung und viel Wut an, die aber blitzschnell durch erschütternde Angst ersetzt wurden. Diese wurde wiederum von Wut und dann Missgunst abgelöst. Ende offen! Auf der konservativen, oder republikanischen, Seite fing alles mit Euphorie und Schadenfreude an, welche aber blitzschnell Empörung und Wut Platz machte. Diese wurde dann wiederum von Enttäuschung abgelöst. In der republikanischen Partei haben sich dabei zwei Lager gebildet. Die einen sind verstört, dass Donald Trump seine Wahlversprechen tatsächlich wortwörtlich umsetzen will, die anderen sind enttäuscht, dass sich manches davon, trotz einer „executive order“, nicht durchsetzen lässt. Das Scheitern der neuen Einreisebestimmungen vor mehreren Bundesgerichten und der schnelle Rücktritt des Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn waren für die Handlungsfähigkeit der neuen Administration ein herber Rückschlag. Aber auch hier: Ende offen!

 

Ich glaube, das einzige was man zum jetzigen Zeitpunkt eindeutig über die Zukunft in der USA unter dieser Regierung sagen kann, ist, dass es spannend bleiben wird. Wut und Unsicherheit beherrschen die Menschen im Land. Aber auch ein Kampfgeist, wie man ihn in USA schon lange nicht gesehen hat, ist erwacht. Leider auch hier, auf beiden Seiten. Freundschaften gehen in die Brüche, sowohl auf menschlicher, als auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Es wirkt ein wenig so, wie der Autor Aaron Loeb schreibt, als wäre die Wahl Trumps das Einreichen der Scheidungspapiere zwischen liberalen und konservativen Kräften des Landes gewesen und nun streitet man sich um das Sorgerecht für das gemeinsame Kind Amerika. Und doch, die Hoffnung bleibt. Hoffnung, dass sich das Blatt noch wenden wird… in welche Richtung auch immer das sein mag. Und das wiederum ist typisch amerikanisch. Egal was passiert, nur nicht aufgeben, immer versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

Für Leute wie mich, die rund um das Thema USA beraten, ist diese ambivalente Situation nicht einfach. Ich muss nun noch deutlicher vermitteln, wie wichtig es ist, „zwischen den Zeilen“ lesen zu können und wie mehrschichtige Kommunikation funktioniert. Wie versteht man Informationen, die gesendet wurden, ohne dass sie tatsächlich ausgesprochen worden sind? Auch sind die Fettnäpfchen, in die man treten kann, tiefer geworden und verdienen noch mehr Aufmerksamkeit. Für Unternehmer und Unternehmen scheint sich viel zu ändern, angefangen mit neuen Standortentscheidungen für die Produktion, aber auch die nun ständig wechselnden Erwartungen an Unternehmen und deren Management in den USA. Auch dieses Feingefühl muss nun noch deutlicher vermittelt werden.

Meiner Ansicht nach liegt die Antwort auf diese Phase der Unsicherheit darin, die zwischenmenschliche und interkulturelle Kommunikation zwischen den tatsächlich handelnden Personen zu stärken, mentale Flexibilität zu entwickeln und Verständnis zu haben. Verständnis für die amerikanischen Geschäftspartner, die gleichermaßen verunsichert sind, die Stabilität in ihren Geschäftsbeziehungen suchen und die kein Interesse daran haben, gute Wirtschaftsbeziehungen zu gefährden. Ich glaube, die einzige Frage die in den nächsten vier Jahren kein USA-Berater beantworten können wird, ist, „Was wird Trump als nächstes machen?“

ti communication GmbH zeigt Flagge: European-Colo...
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Mittwoch, 21. November 2018

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