First Steps ins Ausland - Mitarbeiterentsendung auch für den Mittelstand

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Während vor 20 Jahren hauptsächlich die großen, internationalen Konzerne ihre MitarbeiterInnen ins Ausland entsendeten, nutzen mittlerweile auch viele Firmen im Mittelstand diese Form des Know-How Transfers. Uns interessiert die Frage, ob für Unternehmen des Mittelstands andere Dinge wichtig sind als für die Großkonzerne. Wir befragten dazu Andrea Burger, eine unserer TrainerInnen bei ticommuncation, die viele Jahre in der internationalen Personalabteilung eines Großkonzerns tätig war.

Neben der grundsätzlichen psychologischen Eignung des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin und einer umfassenden interkulturellen Vorbereitung gibt es verschie-
dene grundsätzliche und praktische Fragen, die es bei der Mitarbeiterentsendung zu klären gilt.

ti communication: Was sind dabei für Dich die wichtigsten Punkte? 

Andrea Burger: Aus Unternehmenssicht muss zunächst geklärt werden, aus welchem Grund eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter ins Ausland entsandt werden soll. Denn erst die genaue Festlegung des Entsendegrundes entscheidet letztendlich darüber, welche Entsendeform die passende ist.

ti communication: Welche verschiedenen Möglichkeiten gibt es denn hierbei?

Andrea Burger: Neben Langzeit-Entsendungen, die ein bis drei Jahre dauern, gibt es Kurzzeit-Entsendungen (bis zu einem Jahr), Vielflieger-Entsendungen, Internationales Pendeln und die virtuelle Entsendung. Die Formen variieren in ihrer Dauer und vor allem in der Vertragsgestaltung. Von einer echten Entsendung oder Delegation sprechen wir im Grunde nur im Falle von Langzeitentsendungen, bei denen die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter während der Zeit der Entsendung ein ruhendes Arbeitsverhältnis (incl. Rückkehr-Garantie) mit dem Heimatunternehmen hat und ein aktives und befristetes Arbeitsverhältnis mit der aufnehmenden Gesellschaft. Bei allen andere Formen behält er oder sie den aktiven Vertragsstatus im Herkunftsland und die Einsätze im Ausland werden im Rahmen von Dienstreisen absolviert. 

ti communication: Gibt es da aus Deiner Sicht einen Trend bei den Unternehmen?

Andrea Burger: Ja, das würde ich schon sagen. Während vor 15 Jahren noch nahezu alle großen deutschen Firmen ihre MitarbeiterInnen auf klassische Langzeitentsendungen ins Ausland geschickt haben und Führungspositionen vor Ort oft von deutschen Führungskräften besetzt wurden, ist jetzt ein Trend hin zu mehr Flexibilität sichtbar. Es werden heute viel mehr Führungskräfte vor Ort entwickelt, es gibt mehr Querentsendungen, d.h. nicht mehr nur vom Stammhaus zu den Niederlassungen, sondern von einer Niederlassung zu einer anderen. Es werden mehr lokale Verträge geschlossen, d.h. die MitarbeiterInnen bleiben vor Ort und kommen nicht nach drei Jahren zurück in ihr Ursprungsland. Und dann ist noch natürlich das große Thema der virtuellen Führung.

ti communication: Wann ist denn die eine oder andere Entsendungsform besser geeignet?

Andrea Burger: Das sollte in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft werden. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass eine echte Delegation erst dann in Frage kommen sollte, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter wirklich dauerhaft vor Ort sein muss. Das können Projekte sein wie die Gründung einer Niederlassung, der Aufbau einer neuen Fertigungslinie, Führungspositionen, die im Moment noch nicht durch lokale Mitarbeiter übernommen werden könnten usw. Viele Firmen nutzen eine Entsendung auch als Instrument der Personalentwicklung, aber auch in diesem Fall sollte die Maßnahme natürlich kein reiner Selbstzweck, sein, sondern ein konkreter Bedarf im Einsatzland bestehen.

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ti communication: Einer Studie* der ESB Business School in Reutlingen zufolge, nutzen mittelständische Unternehmen am häufigsten Vielflieger-Entsendungen und virtuelle Entsendungen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Andrea Burger: Bei der Vielflieger-Entsendung hat die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter ihren bzw. seinen Arbeitsplatz in Deutschland, absolviert aber 20 bis 180 Arbeitstage pro Jahr im Ausland als Geschäftsreise. Aber auch bei dieser Art der Entsendung empfiehlt es sich, alle steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Belange vorher prüfen zu lassen und eine entsprechende Richtlinie einzuführen.
Virtuelle Entsendung bedeutet die Übernahme internationaler Aufgaben unter Nutzung moderner Kommunikationstechnologien. Dies ist ein Trend, den wir in allen Unternehmensgrößen beobachten können. Gründe dafür können Kosten- und/oder Zeitersparnis sein aber auch ökologische Nachhaltigkeit.

ti communication: Wenn sich ein Unternehmen für eine klassische Entsendung entschieden hat, was sind dabei aus Deiner Sicht die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gilt?

Andrea Burger: Die für mich wichtigsten Faktoren sind die fachliche und interkulturelle Eignung des Mitarbeiters, aber auch die Motivation der mitausreisenden Familie. Wir wissen mittlerweile, dass viele Entsendungen schlicht daran scheitern, dass im Vorfeld zu wenig Vorbereitung stattfand oder der mitausreisende Partner eher notgedrungen „mitgegangen“ ist, dann aber irgendwann mit der Situation nicht mehr zufrieden ist. Eine Entsendung sollte immer eine Entscheidung sein, die die ganze Familie mitträgt, weil es für jedes Familienmitglied andere Dinge zu bedenken gibt. Die drei wichtigsten „hard facts“ für eine Entsendung sind aus meiner Sicht die Themen Sozialversicherung, die steuerliche Absicherung und die Einkommensfindung bzw. die generelle firmeninterne Vertragsgestaltung.

ti communication: Würdest Du sagen, dass für ein mittelständisches Unternehmen andere Aspekte wichtig sind als für große internationale Konzerne?

Andrea Burger: Nein, die grundlegenden Dinge sind dieselben. Der große Unterschied ist natürlich, dass sich viele große Unternehmen eine eigene internationale Personalabteilung leisten, die den Mitarbeiter und seine Familie in allen Belangen (außer Steuern) beraten können und es im Normalfall eine Entsenderichtlinie gibt, die alles regelt. Dieser Aufwand macht für mittelständische Unternehmen natürlich wenig Sinn, d.h. diese Unternehmen müssen sich externe Unterstützung dazu holen. Aber ansonsten sind die Rahmenbedingungen und Vorüberlegungen dieselben.

 

 

 

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