Inwieweit ähneln deutsche Fach- und Führungskräfte ihren österreichischen KollegInnen in ihren Arbeitsstilen, Lebensvorstellungen und Umgangsformen? Wir sprechen mit Saskia Lackner über die Ergebnisse ihrer Studie zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Österreichern.
Frau Lackner, welche Unterschiede gibt es denn zwischen Deutschen und Österreichern? Wir sprechen die gleiche Sprache, da kann es doch kaum zu Missverständnissen kommen?
Saskia Lackner: Gerade diese Annahme ist problematisch. Viele deutsche Fach- und Führungskräfte, die in Österreich leben und arbeiten, sehen vor allem die Gemeinsamkeiten. Österreich wird von ihnen tendenziell gerne als weiteres Bundesland betrachtet. Viele Österreicher legen dagegen Wert auf die Andersartigkeit ihrer Kultur. Und trotz der gemeinsamen Sprache haben auch Deutsche oft mit Integrationsproblemen zu kämpfen. Sie müssen in Österreich zwar keine neue Sprache, wohl aber eine andere Kommunikationsart lernen. Und das ist oft schwieriger und langwieriger.
Aus welchen Bereichen stammen Ihre Interviewpartner? Gab es Unterschiede bei den Erfahrungsberichten?
Saskia Lackner: Die Interviewpartner kamen beispielsweise aus dem IT-Bereich, der Steuerberatung, der Logistik, der Pharmaindustrie, der Baubranche, aus Kliniken, der Werbung und verschiedenen Bereichen der Universität. Viele Berichte sind branchenübergreifend übereinstimmend. Allerdings scheint es darauf anzukommen, wo die Befragten zuvor in Deutschland gewohnt haben, und ob bereits andere Auslandserfahrungen gemacht wurden.
Von welchen kulturellen Unterschieden haben Ihnen Ihre Interviewpartner berichtet?
Saskia Lackner: Die Interviewten berichten über eine sehr viel stärkere Titelorientierung als in Deutschland; Titel spielen eine größere Rolle und haben in Österreich mehr Gewicht. Außerdem wird der Kommunikationsstil im Allgemeinen als indirekter, aber auch im Vergleich höflicher empfunden als in Deutschland. Aus den Interviews geht hervor, dass in Österreich die Tendenz zu größerer Gelassenheit besteht, was sich sowohl auf den Umgang mit Regeln als auch das Zeitmanagement auswirkt. Die Interviewpartner berichten von einer stärkeren Netzwerkorientierung als in Deutschland. Dadurch scheint auch ein größeres Harmoniebestreben vorzuherrschen. Weiterhin hat sich gezeigt, dass ein ambivalentes Verhältnis zu Deutschland besteht, was sich manchmal in ausgeprägten Vorbehalten gegenüber Deutschen manifestiert.
Was gefällt deutschen Fach- und Führungskräften besonders am österreichischen Arbeitsalltag?
Saskia Lackner: Vielen Deutschen, von denen im Heimatland Effizienz und Ordentlichkeit erwartet wird, gefällt es gut, dass es tendenziell im österreichischen Arbeitsalltag gelassener zugehen kann. Und diese Gelassenheit bezieht sich auf mehrere Bereiche, wie Vertrauensvorschuss, weniger Kontrolle und mehr Beziehungspflege. Allerdings gibt es hier natürlich auch die Möglichkeit einer negativen Auslegung des Verhaltens – Harmoniestreben kann dann beispielsweise auch als Konfliktscheue interpretiert werden.
Welche Vorteile haben Ihrer Meinung nach deutsche Expats in Österreich?
Saskia Lackner: Deutsche Expats haben den Vorteil, dass bis auf einige Ausdrücke kein zusätzlicher Spracherwerb nötig ist und somit subtilere Strukturen schneller erfahrbar werden. So können sich Deutsche schneller auf die Punkte einstellen, die ich bereits erwähnt habe: eine indirektere Kommunikationsart, ein größeres Harmoniebestreben und einiges mehr. Man sollte sich als Deutscher in Österreich darüber klar sein, dass man es auch im Nachbarland mit einer anderen Kultur zu tun hat – das kann die Zusammenarbeit sehr bereichern.
Gesprächskreis von der Hochschule Regensburg und ti communication – Unternehmer und Wissenschaftler tauschen sich aus
20.04.2012 Vortrag von Gerhard Hain zum Thema „Nach eins kommt manchmal drei“
Andreas Hauser fungiert seit Anfang des Jahres als neuer Project Manager von ti communication
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