Erfahrungsbericht: Projekte in der Arabischen Welt

Herr Hauser, als Management Consultant sind Sie seit über zehn Jahren in der Arabischen Welt tätig. Was sind Ihre Erfahrungen?

Andreas Hauser: Die Arbeit vor Ort ist äußerst vielfältig und bereichernd. Allerdings gibt es kulturelle Unterschiede, gerade im Projektmanagement: So bewirkt ein anderes Zeitverständnis oft Terminverschiebungen, indirekte Kommunikation führt zu Missverständnissen, die Wichtigkeit persönlicher Kontakte ist gewöhnungsbedürftig, lokale Denk- und Verhaltensweisen entsprechen nicht den Erwartungen.

Können Sie mir ein konkretes Beispiel geben, wie sich diese Herausforderungen in der Projektarbeit auswirken?

Andreas Hauser: Oh ja - mein erstes Beratungsprojekt! Für die Zusammenarbeit mit einem arabischen Unternehmen war aus deutscher Sicht alles perfekt vorbereitet: die wichtigsten Rahmenbedingungen waren vertraglich festgehalten; die Projektinhalte waren gemeinsam erarbeitet und abgesprochen; die Budget-und Zeitrahmen standen fest; und alles traf auf die Zustimmung der arabischen Seite. Doch die Umsetzung war sehr schwierig: die E-Mail- Kommunikation lief schleppend, notwendige Informationen wurden nicht geliefert, Anweisungen nur zum Teil ausgeführt und die vereinbarten Ansprechpartner waren kaum erreichbar. Doch bei den regelmäßigen persönlichen Treffen beteuerten die arabischen Partner stets, dass alles in Ordnung sei – obwohl genau das Gegenteil der Fall war.

Wie hat das deutsche Unternehmen darauf reagiert?

Andreas Hauser: Zunächst musste sich die Firma eingestehen, dass die interkulturellen Aspekte unterschätzt und gar nicht im Projektmanagement berücksichtigt worden waren. In der konkreten Situation blieb letztlich nur der Einsatz einer „Feuerwehrmaßnahme“: Um das Projekt zu retten, musste ein deutscher Manager abgestellt werden, der vor Ort arbeitete; Zeitverzögerungen und Budgetüberschreitungen waren die Folge. Für meine eigene Arbeit habe ich daraus gelernt, bereits im Vorfeld alle Phasen des Projektmanagements – von der Akquise bis hin zum Abschluss - auf interkulturelle Einflussfaktoren zu überprüfen und diese systematisch zu integrieren. Und diese Erfahrung gebe ich in meinen Managementtrainings weiter.

Wie kann sich Ihrer Meinung nach ein Unternehmen optimal auf internationale Projekte einstellen?

Andreas Hauser: Ein international erfolgreiches Unternehmen bereitet sich sowohl auf lokale Marktbedingungen als auch auf kulturelle Unterschiede vor. Die Schulung von MitarbeiterInnen in interkultureller Kompetenz sollte dabei selbstverständlicher Bestandteil der Personalentwicklung sein. Darüber hinaus sollten Führungskräfte und Manager im interkulturellen Projektmanagement qualifiziert sein, um im internationalen Umfeld effizient und effektiv zu agieren und somit einen nachhaltigen Geschäftserfolg zu sichern.

Was ist das Besondere am interkulturellen Projektmanagement?

Andreas Hauser: Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass interkulturelle Einflüsse in der Zusammenarbeit und der Kommunikation planbar sind. Und genau da setzt ein Training zum interkulturellen Projektmanagement an: Das Wissen wird genutzt, um interkulturelle Aspekte bereits im Vorfeld aktiv und systematisch in die Projektplanung miteinzubeziehen. Das spart Nerven, Zeit und Geld – und sichert letztlich den Erfolg der Unternehmung. Ein interkulturell qualifizierter Projektmanager kann Interkulturalität positiv nutzen in Form von erhöhter Motivation, Flexibilität, Kreativität und Lösungsorientierung – und diese Kompetenz kann er in meinen Trainings erlernen.

Und was ist Ihre persönliche Strategie für Erfolg in der Arabischen Welt?

Andreas Hauser: Ich versuche, mich auf die Menschen einzulassen und dabei nie den Humor zu verlieren – und das funktioniert ziemlich gut.

Die Fragen stellte Viktoria Müller, ti communication in Regensburg.

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